Die nordd. Staaten u. d. nord. Krieg; Entwickl. d. preuß. Königtums. 621 von diesen Mächten Polen mit seinen baltischen Besitzungen in die deutsche Entwicklungslinie eingesprengt war, während Rußland von allgemeinem Drange nach baltischem Küstenland überhaupt erfüllt schien. Ausgelöst aber konnte dieser Drang werden, seitdem, mit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, Livland an Schweden gefallen war!, indem von diesem Augen⸗ blicke an ein Gegensatz zwischen Schweden und Polen erweckt wurde, der Rußland den Weg zum Balticum freilegte. Däne— mark und Schweden endlich gehörten noch immer dem Staaten⸗ systeme des deutschen Nordens selbst direkt an; es ist wie ein Gegenstück zu dem englischen Königtum Hannovers, dem polnischen Königtume Sachsens und in gewissem Sinne auch dem preußischen Königtume Brandenburgs, wenn zum König-— reiche Dänemark auch das Herzogtum Holstein und von 1675 bis 1773 die Grafschaften Oldenburg und Delmenhorst, zum Königreiche Schweden aber außer dem pommerschen Besitze bis zum Jahre 1719 auch die alten Bistumsgebiete von Bremen und Verden gehörten. Unter diesen Umständen sind die nordischen und nord— deutschen Vorgänge um 1700 nicht zu verstehen, halten wir nicht vorher auch über die Lage der eben genannten außer⸗ deutschen Mächte kurz Umschau. Da ist denn Dänemark schon insofern an erster Stelle zu nennen, als es in tausend Richtungen ganz von deutschem Geiste erfüllt war: wie war in die dänische Sprache dieser Zeit der deutsche Wortschatz eingebrochen, wie eng waren die künstlerischen und literarischen Zusammenhänge beider Länder! Aber darüber hinaus bestanden auch politische Verbindungen sehr merkwürdiger Art. Im Jahre 1460 hatten die Stände von Schleswig— Holstein den dänischen König Christian, aus dem Hause der Grafen von Oldenburg, zum Herzog von Schleswig, das dänisches Reichslehen war, und zum Grafen von Holstein, das deutsches Reichslehen war, gewählt: unter der Bedingung, S. oben S. 480 f. camprecht, Deutsche Geschichte. VII. 2.