332 Einundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel. kunft des sächsischen Luthertums; der Kurfürst und seine Nach— folger hatten es sorgsam zu erhalten; den Katholiken sollte der Bau von Kirchen, Schulen und Klöstern auf immer ver— boten bleiben. Da wandte sich die Leidenschaft des Königs vor allem gegen August selbst; er mußte der polnischen Herr⸗ schaft entsagen, nur der Königstitel blieb ihm, und die Krone fiel an seinen Gegner Stanislaus Lesczynski. Ja noch Böseres wurde August zugemutet; er mußte das Bündnis mit Rußland fahren lassen und in ein solches mit Schweden und Polen eintreten, dessen Zweck die Besiegung des Zaren sein werde. Und trotz alledem blieb Karl XII. mit seinem Heere in Sachsen, ja vervollständigte es unter Sold und Unterhalt auf Kosten Sachsens durch sächsische Werbungen. König August war nicht willens, diesen Traktat zu halten. Noch immer auf den Schlachtfeldern Polens tätig, besiegte er wenige Wochen nach Abschluß des Friedens die Schweden unter dem General Mardefeld in der Schlacht bei Kalisch, am 29. Oktober 1706. Was aber wollte er tun, als Karl bald darauf den Text des Vertrages veröffentlichen ließ? Durch dessen Inhalt gegenüber Rußland bloßgestellt, ging August der Starke nach Sachsen zurück und ratifizierte schließlich den Frieden, Januar 1707. Wenn er aber geglaubt hatte, dadurch den unversöhnlichen Feind aus dem Lande zu bringen, so sah er sich bitter ent— täuscht. Karl blieb, saugte das Land weiter aus — etwa 23 Millionen Taler soll sein Aufenthalt dem unglücklichen Kurgebiete gekostet haben — und lachte der wunderlichen Ver—⸗ wahrungsdeklamationen, mit denen ihn der Regensburger Reichstag überschüttete. Denn allerdings: es war eine seltsame Lage. Das Reich stand mit Schweden im Frieden, aber ein schwedisches Heer lagerte in seinem Herzgebiete — und niemand fand sich, der diesem unerhörten Vorgehen gegen die Ehre des Reiches von Reichs wegen ein Ende machte. Auch nicht der Kaiser! Im Gegenteil: der wurde von Karl XII. wie zum Hohne noch recht eigentlich in denjenigen Rechten seiner Hausmachts⸗