Die nordd. Staaten u. d. nord. Krieg; Entwickl. d. preuß. Königtums. 699 einstweilen genügend Hilfe geschaffen worden — als vielmehr die innere Gewerbepolitik mit den Konsequenzen, die sich aus ihr für die Handelspolitik nach außen ergaben. Und hier war nun der König unausgesetzt bestrebt, neue Handwerker ins Land zu ziehen und alte Industrien zu heben. Wen hat er nicht alles unter günstigen Ansiedlungsbedingungen und Zusage von anfänglicher Unterstützung in die Mark eingeladen: Bankiers, Kommerzianten, Handelsleute, Künstler, Manu— fakturiers, Tuchmacher, Strumpfweber, Stricker, Metallarbeiter, Knopfmacher, Hutmacher, Gerber, Seifensieder, Bürstenbinder: alle konnte er brauchen. Von heimischen Industrien aber war er, gleich dem Großen Kurfürsten, bestrebt vor allem die alte märkische Tuchindustrie wieder zu beleben: durch ein rigoroses Verbot der Wollausfuhr, durch Verwendung von nur ein— heimischen Tuchen für das Heer, durch Verbote an die Unter— tanen, anderes als einheimisches Tuch zu tragen — und als die Industrie sich wirklich hob, durch Begünstigung ihres Exports nach dem Reiche und darüber hinaus, ja durch Einrichtung einer besonderen „russischen Handelskompagnie“ für ihre Zwecke (1725). Zugleich aber ging Friedrich Wilhelm J. über die Maß— regeln des Großen Kurfürsten hinaus, indem er sich der Reform der verfallenen Verfassungszustände des Handwerks und des Bürgertums annahm. Diese Reform bestand allerdings wenigstens der Form nach in der Unterdrückung aller selbständigen Verwaltung und Verfassung: wie der Einfluß der verlotterten städtischen Aristokratien nach Mög— lichkeit zugunsten selbstherrlicher Eingriffe der königlichen Steuerkommissare beseitigt wurde, so wurden auch die Zünfte ihres autonomen Lebens entkleidet und einer halb königlich gewordenen Stadtverwaltung unterstellt. Dennoch blieben dabei einige Ansätze künftiger Selbstverwaltung erhalten oder wurden teilweise sogar neu entwickelt: so wurde z. B. die Zahl der städtischen Beamten stark begrenzt, während schon die des Mittelalters übergroß gewesen und später durch das Protektions— bestreben einer gewissenlosen Ratsaristokratie noch mehr erweitert