Waffengänge Osterreichs u. Preußens; Preußen europ. Großmacht. 773 das Publikum abgewälzt wurden; furchtbar hat Preußen unter ihm gelitten; und schon seit 1759 beherrschte die düstere Aus⸗ sicht auf ihn auch die Feldzugserwägungen des Königs. Denn was blieb unter solchen Umständen übrig, als aus der Offensive in die Defensive überzugehen? Aber bot sie nicht auch Vorteile, namentlich die der kürzeren Operationslinie und einer zunächst wenigstens die Feinde überraschenden Wendung? Freilich: wie dann der schließliche Ausgang sein werde, das wußte Gott allein: „Ich bin wie jemand,“ meinte Friedrich nach Hochkirch, „der den Schluß eines Epigramms sucht und ihn nicht findet.“ Aber so viel war doch bereits erreicht, daß auch die Gegner — den letzten Jahren zu schlechte kriegerische Erfahrungen gemacht, um den Wunsch zu hegen, sie noch wesentlich zu erweitern. In den Versailler Verträgen vom 30. und 81. Dezember 1758 zog es sich daher, bei aller Kriegslust noch der herrschenden Kreise, insbesondere der Pompadour, von den Verpflichtungen und Aussichten des Vertrages mit sterreich vom 1. Mai 1757 —DD——— sein Heeresbeitrag auf 24000 Mann normiert; und nur die Wiedererwerbung Schlesiens durch Österreich erschien als Ver— tragsziel. Dafür nahm Hsterreich sein Angebot der Nieder— lande zurück, während Parma, Piacenza und Guastalla einst an die Bourbonen fallen sollten. Gleichwohl ist das Jahr 1759 für Friedrich vielleicht das gefahrvollste aller Kriegsjahre gewesen. Zwar wurden die Franzosen schließlich durch das Heer Ferdinands von Braun⸗ schweig in Schach gehalten; nach einer Niederlage bei Bergen fiegte Ferdinand am 1. August bei Minden über die Marschälle Contades und Broglie. Aber um so mehr bedeuteten die Miß— erfolge auf dem zentralen Kriegstheater. Hier schlugen die Russen die Preußen am 28. Juli bei Kay und vereinigten sich dann in Frankfurt an der Oder mit einem österreichischen Heere unter Laudon: worauf beide Armeen König Friedrich selbst am 12. August in die schwere Niederlage bei Kunersdorf ver—