776 Einundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel. halben lernte man Worte wie die von Uz an Friedrich ge— richteten beherzigen: Die deutsche Muse soll nicht jauchzen, sondern klagen: Denn Deutschand fühlt der Waffen Wut. Mars donnert wild einher, und Blut Umfließet seinen ehr'nen Wagen. Sollten jetzt in der Tat die Deutschen unter sich allein noch weiterraufen? Das Reich, noch zu guterletzt durch einen fränkischen Kriegszug des preußischen Generals von Kleist ein⸗ geschüchtert, ja in der Vertretung seiner Stände zu Regens— burg militärisch bedroht, hatte in seinen einzelnen Gliedern, Bayern, Pfalz und anderen, schon länger gesucht, was des Friedens war; nur Sachsen hielt noch treu zur Kaiserin. Es war ein Umschwung, dem auch die Hartnäckigkeit Kaunitzens und der Stolz Maria Theresias nicht gewachsen waren; Friedensverhandlungen wurden zu Hubertusburg ein— geleitet und führten am 15. Februar 1763 zum Abschlusse des langen Kampfes. Die Bestimmungen des Hubertusburger Friedens waren einfach: in der Hauptsache wurden nur die Friedensschlüsse des ersten und zweiten schlesischen Krieges erneuert; Schlesien blieb bei Preußen. Aber schon längst war Schlesien zu einem Symbol nur des eigentlichen Kampfpreises geworden; und dieser hieß: An⸗ erkennung Preußens als einer zweiten deutschen Großmacht Europas neben Osterreich, und Anerkennung damit auch einer ebenbürtigen Stellung Preußens im Reiche. War dies Ziel nun von Preußen erreicht worden? Darauf muß eine doppelte Antwort gegeben werden: für das Preußen Friedrichs des Großen muß sie bejahend lauten, verneinend dagegen für Preußen überhaupt: wie es Goethe in der kon—⸗ kreten Form zeitgenössischen Denkens ausdrückte: nicht preußisch, wohl aber fritzisch fuhlte man im Reiche. Es war das schönste Zeichen der Anerkennung für den größesten aller Hohenzollern; und unverwelkt ist ihm dieser Ruhm, der Ruhm des Großen, geblieben bis zum Ende seiner und unserer Tage. Aber auch für Preußen im allgemeinen, das Preußen ohne