Waffengänge Osterreichs u. Preußens; Preußen europ. Großmacht. 799 dies im höchsten Grade der Fall war, in bildender Kunst and namentlich Dichtung, hat sich allerdings der König in keinerlei innere Beziehungen zu ihnen gesetzt; selbst die führenden Geister der Übergangszeit, vor allem ein Lessing, Charaktere, die ihm bei näherer Kenntnis so nahe hätten treten müssen, sind ihm fremd geblieben: seit dem Siebenjährigen Kriege lebte er vereinsamt und darum bald allein; die Schrift „De la littérature allemandeé“ ist dafür wie für die innere Leere, die den Einsiedler infolgedessen trotz aller französischen Beziehungen überkam, ein zugleich grausames und rührendes Zeugnis. Ein Gebiet indessen gab es, wo dennoch, in höchsten Sphären, Altes und Neues im Bereiche der königlichen Teil— nahme und Einwirkung zusammenstieß: das Gebiet der Er— ziehung. Denn hier waren auf der einen Seite die päda— gogischen Anschauungen, wie sie Rationalismus und Pietismus gezeitigt hatten, noch frisch und lebenskräftig genug, um auf Auswirkung in einer schöpferischen Schulpolitik zu drängen, und schlugen sich anderseits die neuen Ideale subjektivistischer Lebensführung schon sehr fruh in pädagogischen Problemen und Systemen und, bis auf einen gewissen Grad wenigstens, in Erziehungsidealen einer neuen Renaissance, eines Neu— humanismus nieder, die ebenfalls zur Betätigung aufforderten. Friedrich der Große hat selbst zeitlebens und namentlich im höheren Alter eine starke pädagogische Ader verraten; auch als Schriftsteller muß er unter die pädagogischen Klassiker seiner Zeit gerechnet werden. Wie stellte er sich da nun zu dem ungeheuren Wechsel der pädagogischen Ideale und Ziele in den Jahrzehnten seines Alters? In seinen Ansichten sticht zunächst ein Zug unbedingt hervor: er verabscheute Rousseau. Und wie Rousseau so haßte er auch das freilich zu seinen Lebzeiten noch unklare und nebelhafte Streben des Subjektivismus, jeden Menschen auf sich, auf Selbstverant⸗ wortung im höchsten Sinne zu stellen. Aber anderseits war der König doch auch schon weit von den ausgebildeten Theorien des Rationalismus entfernt. Er war ein viel zu guter Kenner von sich und anderen, um zu glauben, daß erzieherische Mächte 517*