324 Einundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel. hab' über den großen Menschen seine eigenen Lumpenhunde räsonnieren hören.“ Mit wie anderen Gefühlen begleitete die Menge, die Nation Alter und Tod des Königs! Es war, als ob der Ruhm der Jahrhunderte voraus ertönte. Ritt der Greis nach einer Truppenbesichtigung in Berlin vom Tempelhofer Felde in die Stadt ein, unaufhörlich grüßend, dann war, nach dem Berichte eines Zeitgenossen, „das ganze Rondell und die Wilhelmstraße gedrückt voll Menschen, alle Fenster voll, alle Häupter entblößt“; und doch war nichts geschehen: — „nur ein dreiundsechszigjähriger alter Mann, schlecht gekleidet, staub⸗ bedeckt, kehrte von seinem mühsamen Tagewerke zurück; aber jedermann wußte, daß dieser Alte auch für ihn arbeite, daß er sein ganzes Leben an diese Arbeit gesetzt und sie seit fünf— undvierzig Jahren auch nicht einen Tag versäumt hatte“. Friedrichs Dasein ist Aktivität gewesen, Aktivität im höchsten Sinne des Wortes, und darum Herrscherinstinkt und Herrschaft selber. Von wie wenigen Königen kann man, gleich wie von ihm, das triviale Wort mit Nachdruck aussprechen: er sei zum Herrscher geboren gewesen! Und Herrschaft hieß ihm Ruhm. „Was würde aus den tugendhaften und löblichen Handlungen werden, wenn wir nicht den Ruhm liebten?“ hat er abgeklärten Sinnes im Alter geäußert. „Alle, die sich um ihre Vaterstadt verdient gemacht haben, sind in ihren Handlungen durch jenes Vorurteil ermutigt worden. Wohl kann nach unserem Tode unser Ruf uns ebenso gleichgültig sein, wie alles, was beim Turmbau zu Babel gesprochen worden ist: — und doch, gewöhnt zu leben, sind wir empfindlich gegen das Urteil der Nachwelt, und die Könige müssen es mehr sein als die Privaten, da das der einzige Richterstuhl ist, den sie zu fürchten haben. Wer nur ein wenig Empfindung hat, strebt nach der Achtung seiner Mitbürger, man will mit etwas glänzen, man will nicht mit der vegetierenden Menge zusammengeworfen werden. Dieser Instinkt ist eine Wirkung der Ingredienzien, aus denen die Natur uns zusammengeknetet hat; ich habe mein Teil davon.“