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        <title>Neuere Zeit</title>
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            <surname>Lamprecht</surname>
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      <div>314 Einundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel.

handlungen stattfand, zu keinerlei wichtigerem positivem Ergebnis:
zu tief und breit wurde doch die Kluft gefühlt, die beide Mächte
trennte; Friedrich meinte jetzt, vielleicht erst in zwanzig Jahren
werde das „deutsch-patriotische System“ einmal möglich sein —
freilich nicht ohne ein andermal zu äußern: er werde die
Versöhnung überhaupt nicht erleben. Dagegen machte der
jugendliche Kaiser dem Könige bei dieser Gelegenheit einen
recht guten persönlichen Eindruck. Er war, so heißt es in
der 1775 entstandenen Fortsetzung der „HPistoire de mon
temps“ „von der liebenswürdigsten Lauterkeit und Offenheit,
voll Lebhaftigkeit und Frohsinn. Eine schöne Seele, reine
Absichten verbanden sich mit einem unermeßlichen Verlangen,
sich zu unterrichten, und dem edlen Ehrgeiz, seinem Vaterlande
nützlich zu sein.“
Auch der Gegenbesuch König Friedrichs auf österreichischem
Boden, der am 3. September 1770 in Mährisch-Neustadt statt⸗
fand, und bei dem der König mit Kaunitz unmittelbar ver⸗
handelte, führte nur für einige Zeit zu einer auf gegenseitigem
Wohlwollen beruhenden persönlichen Stellungnahme, konnte
dagegen, naturgemäß, die grundlegenden Gegensätze nicht be—
beseitigen, die immer tiefer greifen als Menschengewalt. Wieder
lebendig aber wurden diese Gegensätze schließlich doch vor allem
durch die Leidenschaftlichkeit, mit der Joseph II., neben seiner
Mutter nun immer mehr hervortretend, die durch die Er—
werbung Schlesiens und Westpreußens gehobene Stellung
Preußens durch neuen österreichischen Machtzuwachs auf
deutschem Gebiete wettzumachen suchte. Anlaß aber in dieser
Hinsicht gab ihm zuerst in entscheidender Weise die bayrische
Erbfolgefrage.
In Bayern war am 30. Dezember 1777, erst fünfzig—
jährig, Kurfürst Maximilian Joseph, der letzte der alten
rudolfinischen Wittelsbacher, gestorben. Das Erbe hatte damit
an die pfälzische, wilhelminische Nebenlinie zu fallen, deren
Vertreter der Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz war: ein
für deutsche Verhältnisse ungeheurer Besitz im Süden und
Südwesten des Reiches war damit im Übergange in nur eine</div>
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