ls Einleitung. Die Malerei hatte im Verlaufe der Lösungsversuche der Lichtführung etwas Pathetisches und Großartiges angenommen, jene maniera grande, die als zunächst inhaltliches Ideal der Kunst in diesem Zeitalter bekannt ist. Und in der Tat läßt sich der Charakter des Erhabenen in der Malerei am ehesten durch eine verständnisvolle Behandlung der Lichtprobleme er— reichen, da diese den Umrissen jenes Unbestimmte gibt, das eine bevorzugte Voraussetzung des Erhabenen zu sein scheint. Außerdem aber wurde der Zug zur maniera grande eben in dieser Zeit durch eine ganze Anzahl anderer Tendenzen unter— stützt: durch den zunehmend aristokratischen, ja höfischen Charakter der Gesellschaft, durch die Fortschritte des Katholizismus in der Gegenreformation und am tiefsten wohl durch jenen Zug zum rein Repräsentativen, der jeder Zeit abnehmender Macht des Gemütes und steigender Kräfte des Verstandes eignet. Die maniera grande war damit der Hauptsache nach ein ähnliches Charakteristikum der Baukunst, wie es zu gleicher Zeit der Schwulst war der Musik und Dichtung. Zur Folge hatte sie, daß im Barock die baulichen Glieder der Renaissance einerseits ins Überladene getrieben, anderseits wuchtig zentral zusammengefaßt wurden. Dazu kam dann aber ein fast noch Wesentlicheres. Auch die Baukunst unterlag schließlich dem Problem der Lichtführung; das Barock verdankte ihm bald das Hineinziehen der Außenarchitektur in das Innere zur Er— zielung starker Licht- und Schattenwirkungen, das Bestreben, im Inneren geheimnisvolles Helldunkel mit magischer Be— leuchtung wechseln zu lassen, sowie überhaupt die Sorge für packende Reflexe. Vor allem aber vollzog sich vom Problem der Lichtführung her die Weiterbildung des Barocks in das Rokoko. Indem die Lichtzufuhr des Barocks durch kleine Fenster, wie sie in Italien, dem Ursprungslande des Barocks, unter dem Einflusse südlicher Hitze und grellen Lichtes ein— geführt worden war, in Frankreich und Deutschland weit— flutendem, durch große Fenster hereinbrechendem Lichte wich, bedurften die schweren Barockmassen einer Umbildung in die leichter schattenden Formen eines neuen Stils, dessen Eigen—