J 24 Einleitung. aller oder wenigstens der wichtigsten Gebiete öffentlicher Sitt⸗— lichkeit, sondern sie war eine bloße Surrogaterscheinung eines wahren Patriotismus, die dem Enthusiasmus für Einzeltaten und Einzelpersonen verdankt wurde. II. Soll jetzt dem Allgemeinbilde des Verlaufes des individua— listischen Zeitalters ein gleiches Bild der subjektivistischen Ent— wicklung seit etwa Mitte des 18. Jahrhunderts gegenüber— gestellt werden, um die Möglichkeit zu erhalten, durch den Vergleich dieser Bilder Wesen und Unterschied beider Zeit— alter möglichst tief zu erfassen, so versteht es sich, daß dies zweite Allgemeinbild nicht in gleicher Art gezeichnet werden kann wie das erste. Die Geschichte des individualistischen Zeit⸗ alters ist in früheren Bänden unserer Erzählung eingehend dargestellt worden: darum war es hier möglich, schon Gesagtes in einer kurzen, wenn auch zugleich weiter fördernden Gesamt— beleuchtung zusammenzufassen. Das Buch der Geschichte des Sub⸗ jektivismus dagegen liegt noch nicht aufgeschlagen vor uns; es können keine Erinnerungen mobil gemacht werden; ins Unbekannte hinein gleichsam ist zu zeichnen. Und so wird die Darstellung stärker einer gleichsam impressionistischen Methode folgen müssen: über den Einzelheiten werden vor allem die charakteristischen Massenerscheinungen entscheidend und breit hervortreten. Da ist denn das erste Wort, die Losung gleichsam der neuen Zeit die Freistellung der Persönlichkeit in noch ganz anderem Sinne, als die individualistischen Jahrhunderte eine seelische Freiheit der Einzelperson gekannt hatten. „Sei wie du willst!“ ruft Karl Moor in Schillers Räubern aus, du „namenloses Jenseits — bleibt mir nur dieses mein Selbst getreu. — Sei wie du willst, wenn ich nur mich selbst mit hinübernehme — Außendinge sind nur der Anstrich des Mannes — Ich bin mein Himmel und meine Hölle“. Was hier, im Momente revolutionären Emporbrechens der neuen Zeit emphatisch betont wird, blieb ruhiger, ständiger und tiefster