388 Einleitung. lichkeit. Dabei liegt es nicht bloß im Sinne, sondern fast schon in den Worten der letzten Ausführungen, daß diese Er— scheinungen des Subjektivismus erst langsam völlig zutage treten konnten: die ersten Menschenalter der neuen Zeit haben mehr Programme von Normen gebracht, als daß diese dem tätigen Leben bindend entwachsen wären: und sittliche Vorstellungen, wie die der Nationalität, des objektiv Wahren der Natur— wissenschaft, des subjektivistisch Christlichen haben erst im 19. Jahrhundert und auch dann teilweis erst in dessen späterem Verlaufe in voller Klarheit eingewirkt. Was aber von vornherein feststand, war die bewußt vor⸗ getragene oder unbewußt bestehende UÜberzeugung, daß der Mensch nunmehr durch Selbstbestimmung ein persönlicher Charakter werden müsse. Es war eine Vorstellung, die dem Begriffe des Berufes, wie er sich in frühester Ausbildung schon seit dem 12. Jahrhundert eingestellt hatte, sofort eine neue Wendung, ja einen ganz neuen Inhalt gab. Indem jetzt die Arbeit zu einer freien Tätigkeit erhoben wurde und zugleich für seden über alle möglichen Gebiete ersprießlichen Wirkens aus— dehnbar erschien, fand sich erst eigentlich recht die Berufstreue als innerlichstes sittliches Pflichtgefühl ein. Ja mehr. Goethe hat einmal die tiefgreifende Bemerkung gemacht: „Wir bilden uns nicht, wenn wir das, was in uns liegt, nur mit Leichtig⸗ keit und Bequemlichkeit in Bewegung setzen. Jeder Künstler wie jeder Mensch ist nur ein einzelnes Wesen und wird nur immer auf eine Seite hängen. Deswegen hat der Mensch auch das, was seiner Natur entgegengesetzt ist, theoretisch und oraktisch, insofern es ihm möglich wird, in sich aufzunehmen.“ Was Goethe hier von der Natur der Menschen seiner Zeit sagt, gilt erst recht von ihrem Berufe. Der subjektivistische Mensch begnügt sich nicht mit dem ihm zunächst eigenen Be— rufe, er sucht vielmehr über dessen notwendige Einseitigkeit hinaus den Ausgleich einer Beschäftigung freier Wahl. Es ist der Ursprung des modernen Dilettantismus, es ist zugleich eine der tiefsten Wurzeln auch des modernen Sports, die hier zutage tritt. Dilettantismus und Sport ergänzen den