Das subjektivistische Zeitalter i. seinem Verhältnis z. individualistischen. 63 hohen Blüte der Phantasietätigkeit in Malerei und Plastik, des naturwissenschaftlichen und philosophischen Pandynamismus. Erst die zweite Periode des individualistischen Zeitalters hat demgegenüber die volle Entfaltung einer Rationalisierung des Seelenlebens gebracht; wie denn jedes Kulturzeitalter in seinem späteren Verlaufe zur Rationalisierung seiner früher in schöpfe— rischer Un- und Halbbewußtheit entwickelten Errungenschaften neigen wird. Aber wird nicht, eben in diesem Zusammenhange, der Beginn auch jedes neuen Zeitalters mystisch gerichtet sein, wie es der frühe Subjektivismus in Dichtung und Religion, vor allem aber in spekulativer Philosophie gewesen ist? So ergeben sich denn die Gegensätze von Rationalismus und früh—⸗ subjektivistischem Mystizismus nur als besondere zeitliche Aus⸗ prägungen eines allgemeinen Gegensatzes, der der psychischen Mechanik von Übergangszeiten der Kultur überhaupt eignet. Was aber umschließt dieser einfache Kontrast nicht alles an gewaltigen und ausgedehnten Kulturerscheinungen des 18. und 19. Jahrhunderts: hier nüchtern-teleologische An— schauung der Welt — dort enthusiastisches Erfassen des kausalen Entwicklungsgedankens; hier das Nützlichkeitsprinzip der Moral Wolffs — dort Kants ethischer Rigorismus; hier die Lehre von der Lernbarkeit der Phantasietätigkeit — dort die Vor— stellung von organischem Wachstum von Dichtung und Kunst und von einem unpersönlichen Stile der Zeiten: sind es nicht Gegenfätze, die ganze und höchste Lebensgebiete so gut wie be⸗ herrscht haben? Und viele tausend andere ordnen sich ihnen darum wieder unter; es sei auf dem Gebiete dec Phantasie— tätigkeit nur an den Gegensatz zwischen Pedant (Philister) und Kraftgenie erinnert. Wesentlich für all diese sekundären Kontraste ist, daß ihre Polarität nicht so groß ist, als daß sich nicht für sie noch während ihres verhältnismäßig kurzen Verlaufes, der selten mehr als einige Menschenalter umfaßt, starke innere gegen— seitige Beziehungen positiver Art und verbindende Elemente mit Sicherheit nachweisen ließen. Charakteristisch ist in dieser Hinsicht namentlich die Stellung der Antike, dessen, was man