7 Einleitung. einerseits die Welt deduktiv entwickelt, anderseits die Einheit des Seienden mit scheinbar unwiderleglicher Logik zumeist in einem geistigen Prinzipe, in der absoluten Form des indivi⸗ dualen Ichs, in Gott gefunden wurde. Es ist eine Lösung, die das Denken des 16. bis 18. Jahrhunderts näher zu dem des 19. Jahrhunderts herandrängt, so wenig gewisse Be⸗ ziehungen zu dem früheren, mittelalterlichen Wesen des Denkens herkannt werden konnen: und in diesem Zusammenhange spiegelt der Intellekt des 16. bis 18. Jahrhunderts die gesamte geschicht⸗ liche Stellung des individualistischen Zeitalters vorbildlich wider. Aber auch auf dem Gebiete der Willenstätigkeit läßt sich der Charakter des mittelalterlichen Kulturzeitalters als ein mittlerer zwischen Urzeit und Individualismus und ins— besondere Subjektivismus nunmehr leicht erfassen: folgt er doch, bei dem engen Zusammenhange zwischen Verstand und Willen, im Grunde wiederum schon aus der soeben dargestellten Stetigkeit der intellektuellen Entwicklung. Der voluntaristische Charakter der Urzeit war am deut⸗ lichsten und sichtbarlichsten durch die Tatsache der großen ge— bundenen Lebensgemeinschaften, vor allem des Geschlechtes, be— stimmt gewesen: ihnen gegenüber war die Einzelpersönlichkeit noch kaum individuell entfaltet. Demgegenüber geht die neuere Zeit seit dem 15. und 16. Jahrhundert von dem Pol des Individuums aus. Das Individuum so frei, wie sich das mit der Freiheit der anderen Individuen noch eben verträgt: daher auf geistigem Gebiete immer vollere Freiheit des Denkens und Bindung auf sozialem Gebiete nur, soweit es das Heil der ganzen Gesellschaft erfordert, das ist das Ideal dieser Zeiten. Und in ihm treffen sich daher auch die Zeitalter dieser Jahrhunderte: kennt der Individualismus noch einige Bin⸗ dungen an geistige Autoritäten namentlich der Kirche, so daß er autonomen sozialen Zusammenschlusses der Individuen ent— behren kann, so ist der Subjektivismus der neuesten Zeit dieser Autoritäten entledigt, zu sittlicher Begrenzung durch praktische soziale Rücksichten in einer ungemein lebendigen freien Vereins— bildung übergegangen.