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        <title>Neueste Zeit</title>
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            <surname>Lamprecht</surname>
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      <div>Einleitung. 
es in sich zu erleben bestrebt ist, als wirkendste aller Mächte, 
die aus den Schranken des Gemütslebens der Zeitlichkeit un⸗ 
mittelbar in ein höheres Dasein entreißen. 
Es ist selbstverständlich, daß in diesen durch das Seelen— 
leben des neuen Zeitalters aufs tiefste motivierten Zusammen⸗ 
hängen die christliche Religion nicht mehr die alte gebundene 
ind bindende Offenbarungsreligion des Mittelalters, ja auch 
nicht mehr die Religion der Kirchen des 16. Jahrhunderts 
sein kann. Die neue Religion ist im Grunde überhaupt nicht 
mehr kirchlich und insofern auch nicht christlich: sie ist reine 
subjektivistische Frömmigkeit. Und gewinnt sie in der einzelnen 
Persönlichkeit, wie das der Regel nach der Fall ist, Beziehungen 
zum Christentum, so sind diese doch eben rein persönlicher Art 
und insofern wechselnd: 
Es ist der Glaub' ein schöner Regenbogen, 
Der zwischen Erd' und Himmel aufgezogen, 
Ein Trost für alle, doch für jeden Wandrer 
Je nach der Stelle, wo er steht, ein andrer. (Geibel.) 
Und so sollte denn Toleranz eine der hervorragendsten 
Erscheinungen des Subjektivismus sein, soweit zu religiösen 
Fehden zwischen Person und Person Anlaß gegeben erscheint. 
In der Tat ist das grundsätzlich anerkannt und wird auf dem 
Gebiete der Adiaphora auch leidlich geübt: in Erfurt steht 
Luthers Statue gegenüber dem katholischen Ursulinerinnen⸗ 
kloster. Der inneren Durchführung aber setzt sich doch jegliche 
Art von Niederschlagsbestand der alten Kirchen entgegen, 
während das praktische Prinzip eines folgerichtigen Subiekti— 
dismus kein anderes sein kann als das der freien Kirche im 
freien Staate. 
Für Gegenwart und Zukunft aber könnte bedacht werden, 
daß der religiöse Subjektivismus nicht in Antireligion aus— 
mündet, sondern in Kirchenlosigkeit, in eine religiöse Gesetz⸗ 
losigkeit mithin, die nicht das letzte Wort der Entwicklung sein 
kann: denn jegliche Frömmigkeit bedarf zur vollen Auswirkung 
ihrer Erlebnisse der symbolischen Sprache von Mythus und 
Dogma; und selbst die Transzendenz der Philosophen ist nichts</div>
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