804 Zweiundzwanzigstes Buch. und durchgearbeitete Psychologie gestellt, welche die inneren Mächte der menschlichen Brust wohl anerkannte, aber sie noch in bestimmte, typische Formen der Charaktere, die Tempera— mente, gebannt sah. Beide Psychologien, die astrologische und die der Tempera— mente, schlossen sich dabei nicht aus; und auf west- und mittel⸗ europäischem Boden gingen sie eine Verbindung ein, deren Einfluß teilweise noch bis ins 18. Jahrhundert hinein gewährt hat. Während die einen im Blute nach Analogie der vier klassischen Temperamente jetzt nur das Feurige, Luftige, Wässe— rige, Irdische unterschieden oder von Salz, OÖl, Erde und Wasser oder auch Schwefel und Merkur redeten, rechneten damals andere bei der Charakteristik der Temperamente noch immer mit Sonne oder Mond oder Planeten. Und so waren denn, an Stelle der physiologischen Gegenstücke zum Psychischen, immer auch noch kosmische, ja magische Anschauungen im Schwung. Es war eine Richtung des Denkens, die freilich dem höchsten Durchschnitte schon der Kultur des 16. Jahrhunderts und erst recht des 17. Jahrhunderts nicht mehr gerecht wurde. Und so entwickelte sich seit dieser Zeit allmählich eine ganz andere Grundlage psychologischer Auffassung von viel aus— geprägterem Wirklichkeitscharakter, wie dies einem Zeitalter nunmehr beginnenden unmittelbar wissenschaftlichen Denkens entsprach. Dieses Denken verfiel allerdings auch noch nicht auf die schwere Frage, inwiefern etwa die Welt der Erscheinungen in ihrem objektiv gegebenen Zusammenhange den subiektiven Zu— sammenhängen unseres Denkens entspreche oder nicht — nur sehr vereinzelt und im ganzen folgenlos wurde dieser Punkt einst⸗ weilen berührt; seine genaue Behandlung ist erst eine be— zeichnende Erscheinung des neuen subjektivistischen Zeitalters. Vielmehr war man naiv davon überzeugt, daß dem logischen Denken neben seiner subjektiven auch eine objektive Wirklichkeit zukomme, eine Wirklichkeit, die in den Dingen selber gelegen sei. Daß man im Grunde einen metaphysischen Satz aus—