Neue Weltanschauung. 309 zu fragen, ob sie denn wirklich Teil der Metaphysik und nicht vielmehr der Physik, in dem damals noch viel weiteren Sinne dieses Wortes, sei? So sehen sich schon Crufius (1715 1775) und Darjes (1714 - 1791) genötigt, sie wenigstens aus der Metaphysik in die Logik zu verpflanzen. Später hat man sie dann, zunächst wohl unter Lockes Einfluß, tatsächlich als Teil der Naturlehre betrachtet; das ist auch die Ansicht Kants ge⸗ wesen. Indem aber die Psychologie auf diese Weise aus der Vormundschaft der Metaphysik Erlösung fand, wurden zugleich die Anfänge eigener Methoden für ihr Studium entwickelt. Mit außerordentlichem Interesse bemächtigte man sich des da und dort, im Leben und in der Reiseliteratur, angehäuften individual⸗ und völkerpsychologischen (ethnologischen) Erfahrungsmaterials, und Selbstbeobachtung wie Beobachtung anderer wurden mit einer Liebe und Virtuosität betrieben, wie sie kaum in irgend⸗ einer Periode der deutschen Geschichte gleich entschieden wieder⸗ gekehrt ist.. So kam es, daß man schon die Vorteile wie die Schwierigkeiten der mathematischen Bestimmbarkeit psycho⸗ —DDDD rasch einen großen Teil der Sicherheitsmaßregeln fand, die zur Erzielung klarer psychologischer Tatsachenerkenntnis angewandt werden müssen: man war hier schon verhältnismäßig weit gelangt, ehe Kant durch die geringe Beachtung, die er der Psychologie schenkte, deren höhere Entwicklung wiederum einem Dunkel zudrängte, aus dem sie erst durch Herbart und seine Schüler wieder erlöst worden ist. Gleichzeitig mehrte sich, um das Feuer dieser Studien noch zu erhöhen, in sehr merklicher Weise der Einfluß der französischen und namentlich der englischen Psychologen, die entsprechend der klareren und rascheren seelischen Entwicklung der großen westeuropäischen Nationen schon manchen Weg ein⸗ geschlagen hatten, den die deutschen Denker erst suchen mußten. Hatten sich solche Einflüsse schon bei Haller, von seiten Shaftes— Vgl. dazu oben Kap. II, Abschnitt 4.