312 Zweiundzwanzigstes Buch. Es war eine Wendung, die seit Sulzer und Eberhard und schon Mendelssohn, teilweise im Anschluß an Andeutungen Leibnizens, etwa zu folgenden Sätzen führte: Es gibt einen gemeinsamen Urstoff von Denken und Empfinden: das find die Eindrücke!. Denken wir, so verarbeiten wir nur einen einzigen Eindruck, und zwar in klarer Weise. Empfinden wir, so bemächtigt sich unserer in minder deutlicher Weise eine Summe von Eindrücken. Folglich ist das Empfinden reicher, weiter, anregender als das Denken. Indem man aber so aus einer Lehre von den Eindrücken her das Denken wie das Empfinden erklärt zu haben glaubte, —D genauer zu bestimmen. Hier ist es nun der ungemein scharf—⸗ sinnige Tetens gewesen (Hauptwerk: Philosophische Versuche über die menschliche Natur und ihre Entwicklung, 1777), der dem Geiste des Zeitalters zum vollen Ausdruck verhalf. Hatte Leibniz das ganze Seelenleben zur Spontaneität gemacht, 'indem er die Seele ihre Vorstellungen in selbsttätiger Kraft aus sich herausspinnen ließ, hatten im Gegensatz dazu die französischen Sensualisten nur eine passive Aufnahmefähigkeit der Seele für die sinnlichen Eindrücke gelehrt, so erblickte Tetens die Haupteigenschaften der Seele in der Rezeptivität und der Spontaneität zugleich. Es ist eine Auffassung, die wohl durch die Forschungen Hallers über die Reize in den Muskelfasern, vielleicht auch durch die Kenntnis der Arbeiten Unzers in ihm angeregt worden ist?. Ausgehend nun von diesen beiden Grundvermögen findet Tetens in der Seele zweierlei: Spuren von Eindrücken, und weiterhin die Fähigkeit, diese Spuren wieder willkürlich hervor— zuheben. Es war eine sehr entschiedene Stellungnahme gegen die Lockesche Psychologie, die nur die willkürliche Assoziation don Eindrücken gekannt hatte; eine Stellungnahme, die auf Ich bediene mich hier dieses Wortes zum Unterschiede von dem ge— läufigen Worte Vorstellung (S engl. ides). 2Sommer S. 278.