Neue Weltanschauung. 331 als für sich stehenden Mikrokosmos, als Individuum an⸗ geschaut. In ihr spiegelte sich für diese Philosophie die ganze Welt der Objekte; sie umfaßte diese Welt und dachte sie in sich adäquat nach. Es geschieht das vermöge der ihr ein— geborenen Ideen, der ideae innatae des Cartesius; aus diesen leitet die Seele Schluß für Schluß ein weitausgreifendes System von Begriffen ab, die in sich zusammenhängen, und dies System entspricht der Welt der Erscheinungen. Die Er— kenntnis ergab sich also deduktiv, durch denk- und schlußhafte Ableitung aus Begriffen, die uns angeboren waren, nach dem Vorbild der reinen Mathematik, more geomoöetrico. Die so gewonnene Erkenntnis sollte dann, so nahm man an, dem System der Dinge in ihrer objektiven Verknüpfung derart entsprechen, daß Nachprüfung dieser Erkenntnis an der Erfahrung überhaupt nicht notwendig sei: ja die Heran— ziehung der Erfahrung nur schaden könne. Denn die Er— kenntnis bestände eben aus lauter allgemeinen und notwendigen Urteilen, diese aber könnten nimmermehr als Desitillat gleich— sam aus verworren sinnlicher Erfahrung, sondern nur durch Vergleichung und Verknüpfung von Urteilen entstehen. Allein woher wußte man denn, daß eine solche Erkenntnis dem Zusammenhang der Objekte entspräche? Verkannte hier nicht, um mit Kant zu reden!, „die Vernunft ihre wahre Be— stimmung und tat mit Einsicht und Wissen groß da, wo eigent⸗ lich Einsicht und Wissen aufhören?“ Es war notwendig, den behaupteten Zusammenhang zwischen der so gewonnenen Er— kenntnis und der Wirklichkeit zu beweisen. Der Rationalismus hat das nun vornehmlich auf zweierlei Art zu tun versucht, einmal, indem er den Grund in den Be⸗— griffen der Ursache in den Dingen gleichsetzte, und dann, in— dem er behauptete, die angenommene Übereinstimmung sei ver— möge eines weiter nicht erklärbaren Ratschlusses Gottes tat— sächlich vorhanden. Nun ist aber klar und in langen streiterfüllten Erörte— Kr. d. r. V. 467 ff.