UNeue Weltanschauung. 333 deutigen Satz gelehrt, daß der Mensch das Maß aller Dinge sei; und Demokrit bereits betrachtete Temperatur, Geschmack, Geruch, Ton und Farbe als menschlich-konventionelle Be— zeichnungen für gewisse Eigenschaften und Wirkungen der Dinge. Und auch in der neueren Philosophie, deren Ent— wicklung ja aufs engste mit der Genesis der Naturwissenschaften zusammenhängt, ist die Anschauung gelegentlich schon früher vertreten. So erging sich Servede wenigstens in Ahnungen subjektivistischer Erkenntnistheorie, und ein Jahrhundert später (ca. 1630) lehrte Herbert von Cherbury den Satz, daß die Bedingungen der Wahrheit nicht aus Erfahrung und Be— obachtung abgeleitet werden könnten, sondern ihrerseits viel— mehr die Voraussetzung jeder möglichen Erfahrung und Er— kenntnis bildetent. Darauf gelangte Descartes zu der Er— kenntnis, daß durch unsere Empfindungen und Wahrnehmungen nicht Eigenschaften der Dinge an sich gegeben seien; und Leibniz erschien die wesenhafte Welt durch die Sinne und deren Auffassungsweise in Raum und Zeit nicht erfaßbar, ja ihm wurde der Raum bereits zu einem „Continuum ideale“, zu einer Vorstellung, welche nur auf das Wirkliche hinweise, nicht aber dieses selbst sei. Allein Ernst mit dieser Lehre bis zur Ausbildung eines absoluten Phänomenalismus hatte man bisher wenigstens in Deutschland dennoch nicht gemacht. Jetzt dagegen, in den Anfangszeiten der neuen Psychologie, als die in der geistigen Gesamthaltung des individualistischen Zeitalters gegebenen Stützen der rationalistischen Erkenntnistheorie zusammenbrachen und man der großen Frage nach der Möglichkeit der Erkennt— nis zunächst ratlos gegenüberstand, wagte man es, in den Jahrzehnten einer noch durch keine Kritik gelähmten Empfind— samkeit und des ausschweifenden Subjektivismus des Sturmes und Dranges die Welt gegenüber der Selbstherrlichkeit des Subjekts für unser Denken in bloßen Schein aufzulösen. Im Jahre 1753 gab der Tübinger Professor Ploucket S. dazu Dilthey, Arch. f. Gesch. d. Phil. VII, 38.