Neue Weltanschauung. 339 aber im ganzen mit psychologischen, also, wie wir ebenfalls schon wissen, unzureichenden Mitteln zu löäsen. So konnte denn ihre Aufnahme in Deutschland bei aller Anregung, die sie im einzelnen gab, doch im ganzen nur die Neigung zum Skepti— zismus verstärken. In der Tat dachte man von Hume im allgemeinen im Sinne Kants, welcher behauptete, der englische Philosoph habe einen „shrecklichen Umsturz“ herbeigeführt, der nicht bloß die Metaphysik, sondern auch die Naturwissenschaften betreffe. Denn nach Hume bestehe die ganze Physik aus Regeln der Erwartung ähnlicher Fälle; alle Naturgesetze gälten ihm daher nur mit Rücksicht auf die unendliche Zahl der Fälle, in denen sie bisher eingetreten sind, aber nicht absolut. Eine solche Anschauung aber, das war die einmütige Ansicht wie Kants so der deutschen Philosophie jener Jahre überhaupt, sei keine Erkenntnis, sondern nur das tierische Gegenstück zu dieser oder, um es mit einem früheren Leibnizschen Ausdrucke zu be— zeichnen, eine consécution des bôétes. Damit erschien es denn den deutschen Philosophen der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts als wichtigste Aufgabe, über Hume und Locke hinwegzukommen: es müsse gezeigt werden, daß es falsch sei, wenn man „die Vermehrung der Begriffe aus sich selbst und sozusagen die Selbstgebärung unserer Vernunft, ohne durch Erfahrung geschwängert zu sein, für unmöglich, mithin alle vermeintlichen Prinzipien derselben a priori für eingebildet“ halte. Hierzu war es notwendig, die Untersuchung nicht so sehr auf die Entstehung der Begriffe selbst zu richten, als vielmehr auf die Formen des Begreifens, indem man die nieder— geschlagene Erkenntnis als Gegenstand der Untersuchung heran⸗ zog und an ihr die Funktion und Gültigkeit der Begriffe er— örterte. Es mußte also das subjektive und psychologische durch ein objektives und logisches oder erkenntnistheoretisches Ver⸗ fahren ersetzt werden. Dabei war denn das blinde Vertrauen des Rationalismus auf die Möglichkeit der Erkenntnis ebenso Worte Kants, zit. Vaihinger, Kommentar z. Kr. d. r. V. 1, 31.