342 Zweiundzwanzigstes Buch. der Philosophie und suchte die Philosophie durch Psychologie zu bessern; 1775 untersuchte Losfius „die physischen Ursachen des Wahren“, und 1776 übergab Tetens die philosophischen Versuche über den menschlichen Verstand der Offentlichkeitn. Allein von all diesen Autoren hielt eigentlich doch nur Lambert am erkenntnistheoretischen Probleme völlig fest und kann deshalb als wirklicher Vorgänger Kants bezeichnet werden. Von den übrigen war Tetens wohl der bedeutendste; auch von Kant ist er hoch geschätzt worden; sein Buch hat beständig auf⸗ geschlagen auf Kants Tische gelegen. Allein er war im wesent⸗ lichen nur Psycholog, und indem er auf psychologischem Wege die erkenntnistheoretischen Fragen zu beantworten suchte, geriet er auf abschüssige Bahnen bei aller Energie und Freiheit des Denkens. Lambert dagegen ging ganz auf den Wegen einher, die dann auch Kant betreten hat; nur begrenzte er seine Unter— suchungen, ein ausgezeichneter Mathematiker und Physiker, wesentlich auf die Probleme seiner Wissenschaften. Aber auch hierfür mußte er die volle, allgemeine Grundlage zu gewinnen suchen, auf der Kant später sein System aufbaute; und dies ge⸗ lang ihm. Schon er hat eine klare Vorstellung davon, daß in der Erkenntnis zwei Faktoren zusammenwirken, ein ideeller, in uns gegebener, von der Erfahrung unabhängiger (die Form des Denkens), und ein empirischer, von der Wahrnehmung ab⸗ hängiger (die Materie). Sie zu scheiden sei eben die Aufgabe. Und Lambert versucht das vermöge einer Anatomie gleichsam der Begriffe, er will „auf gut anatomische Art“ die Begriffe sämtlich vornehmen, um zu sehen, welche von ihnen einförmig und nicht mehr auf andere zurückführbar seien. Von diesen glaubt er dann auf die ideelle Seite der Erkenntnis, die Form, gelangen zu können. In der Tat erhält er nun eine Anzahl solcher Begriffe, besonders aus der Mathematik, aber auch aus der Mechanik, z. B. die Begriffe des Bewußtseins, der Existenz, der Einheit, der Dauer, der Succession, der Solidität, der Riehl 1, 175.