Neue Weltanschauung. 345 körperlichen oder nicht körperlichen Objektes alle Eigenschaften weglaßt, die Euch die Erfahrung lehrt, so könnt Ihr ihm doch diejenige nicht nehmen, dadurch Ihr es als Substanz oder einer Substanz anhängig denkt (obgleich dieser Begriff mehr Be— sttimmung enthält als der eines Objektes überhaupt); Ihr müßt also, überführt von der Notwendigkeit, womit sich dieser Be— griff Euch aufdrängt, gestehen, daß er in Eurem Erkenntnis— bermögen a priori seinen Sitz habe.“ Nach dem in diesen Fällen angewandten Prinzip der Aus— sonderung ist nun Kant allgemein verfahren. „In der trans⸗ zendentalen Ästhetik“n äußert er ziemlich zu Beginn der Unter⸗ suchungen über die reine Vernunft, „werden wir zuerst die Sinnlichkeit isolieren, dadurch, daß wir alles absondern, was der Verstand durch seine Begriffe dabei denkt. Zweitens werden wir von dieser noch alles, was zur Empfindung gehört, ab— trennen, damit nichts als reine Anschauung und die bloße Form der Erscheinungen übrigbleibe, welches das einzige ist, das die Sinnlichkeit à priori liefern kann. Bei dieser Unter— uchung wird sich finden, daß es zwei reine Formen sinnlicher Anschauung als Prinzipien der Erkenntnis a priori gebe, nämlich Raum und Zeit.“ Raum und Zeit sind demgemäß Kant an sich, außer dem Subjekte, nichts; sie sind nur die Formen, in denen alle dvon uns angeschauten Gegenstände sich finden, Formen, die angewandt werden, sobald uns Gegenstände für unsere Wahr⸗ nehmung gegeben sind. Raum und Zeit gehören deshalb nach Kant weder zu der Materie der Empfindung, wie Locke porausgesetzt hatte, noch sind sie à priori in uns liegende, völlig ohne sinnliche Grundlage denkbare Begriffe, wie sie die rationalistische Philosophie in der Regel aufgefaßt hatte. Sie sind vielmehr durchaus anschaulich, da sie unmittelbar in jede sinnliche Wahrnehmung eingehen und ohne eine solche zar nicht vorgestellt werden können, haben aber zugleich eine D. h. der Lehre von der über die bloße Erfahrung hinausgehenden Empfindung.