Neue Weltanschauung. 367 zu haben, dazu kann es keine Verpflichtung durch andere geben.“ So ergießt sich die Herbheit dieses Sittengesetzes hinab bis in einzelne Vorschriften; ein scharfer Höhenwind durchweht es; durch Welten ist es getrennt von der Sittenlehre des Rationalismus wie des späteren Positivismus. Dieser Charakter aber ist ihm gegeben durch die Apriorität des Aufbaus seiner obersten Prinzipien: über alle Erfahrung hinweg ragt es mit diesen als eine Forderung innigsten und persönlichsten Glaubens hinein in die ewigen Firnen der Metaphysik. Auf diesem Gebiete größter Fragen jeglicher Weltanschauung aber wirkt es sich nun mit entscheidender Klarheit weiter aus. Die Kritik der reinen Vernunft war zu dem Ergebnisse gelangt, daß eine Welt selbstherrschender Vernunft, eine Welt der Ideen jenseits jener Welt der Erscheinungen stehe, die wir durch unsere Verstandeskräfte kennen lernen, und der wir nach dem Charakter der Funktionen dieser diejenigen Gesetze geben, die sie uns verständlich machen. Und sie hatte über den wesent— lichen Inhalt dieser ideologischen Welt Gedankenreihen ent⸗ wickelt, in deren Mittelpunkt die Fragen nach dem Dasein Gottes, nach Freiheit und nach Unsterblichkeit standen. Zu lösen waren diese Fragen theoretisch freilich nicht; denn das menschliche Erkenntnisvermögen, trotz seiner aprio⸗ rischen Formen nur auf die Welt der Erscheinungen berechnet, erschien als unfähig, in die Welt der wahren Wirklichkeit einzudringen. Diese Welt galt vielmehr, wie wir inzwischen belehrt worden sind, als zugänglich nur vermittelst des ver⸗ nünftigen Willens, der Sittlichkeit. So können auch seine großen Probleme, Gott, Freiheit, Unsterblichkeit, erschlossen werden nicht auf dem Wege des Erkennens, sondern nur auf dem Wege der sittlichen Forderung. Gott, Freiheit, Unsterb— lichkeit bestehen mithin für uns nur, weil sie Forderungen unseres sittlichen Willens sind; und erst in diesem Gedanken Heinze-Überweg IIIs, 1, 315. Lamprecht, Deutsche Geschichte. VIII. 2.