Neue Dichtung. 561 bei Sophokles und innerlich fast zermürbt bei Euripides: allein da die Stoffe, welche diese und andere Dichter behandelten, dem alten Sagenvorrat entstammten, dessen Fabeln unter dem vollen Walten der Transzendenz entstanden waren, so ließ sich diese Art von Schicksalsidee dennoch nicht ganz ausmerzen: sie sah überall durch und wurde in ihrer unvertilgbarsten Form, der des Fluches, der von Generation zu Generation innerhalb eines Geschlechtes fortwaltet, von der hellenischen Renaissance des Endes des 18. Jahrhunderts als das spezifisch Griechische und Antike des Dramas empfunden. Von dieser Auffassung ging auch Schiller in der „Braut bon Messina“ aus. In der Tat ist die Schicksalsidee dieses Stückes fast ganz die antike: Wahl, meine Mutter, Ist's Wahl, wenn des Gestirnes Macht den Menschen Frreicht in der verhängnisvollsten Stunde? So äußern die Personen des Stückes selbst eine fatalistische Auffassung der Dinge; Traumdeutungen nach Art antiker ODrakelsprüche werden eingeführt; und gleich der Moira der Odipussage lastet ein Fluch über dem Hause der Herrscher. Höchstens ließe sich sagen, daß dieser Fatalismus noch durch den Chor begrenzt sei, als dessen Aufgabe es erscheint, „die sinnliche Welt, die sonst nur als roher Stoff auf uns lastet, als eine blinde Macht auf uns drückt, in eine objektive Ferne zu rücken, in ein freies Werk unseres Geistes zu verwandeln und das Materielle durch Ideen zu beherrschen“. Und wer nöchte leugnen, daß ein edelster Glanz Schillerscher Sprache den Chor fähig erweist, sich in diese Rolle hineinzubegeben? Wer nicht bewundern, wie gerade in diesem Drama der Stoff ganz von der Form überwunden ist: Einheit der Zeit, seltener Szenenwechsel, harmonisches Gegengewicht der Gestalten unter— einander, Typ und Antityp im Fortschritte der Handlung? Aber atmen die Personen dabei wirklich noch, unter der Schnür— hrust dieser Form — sind sie noch individuelle Charaktere und nicht vielmehr erstarrte Typen? Wie weit Schiller schließlich in einem erbarmungslosen *