Bildende Kunst und Musik. 585 Klinger eignet und von Marses, Fiedler und auch Hildebrand lehrhaft gepredigt worden ist. Erscheint aber so die Wiederaufnahme alter Bildungs— formen in der Malerei des 19. Jahrhunderts mindestens seit dem vollen Siege der Freilichtmalerei keineswegs als einfache Nachahmung, sondern vielmehr als die besondere Anwendung einer sehr allgemeinen Entwicklungsform dieses Kulturzeitalters überhaupt, so darf man billig Bedenken tragen, die Malerei der Zeit unmittelbar vor dem Triumphe des freien Lichtes einfach als Nachahmung früherer Malereien zu kennzeichnen. Auch bei ihr handelt es sich zugleich um einen Vorgang der Kombination subjektivistischer Neigungen mit den strengeren Formanforderungen früherer Zeiten, wenn auch gelegentlich das Moment reiner Nachahmung stark mit in Frage gekommen ein mag. Und so erhalten wir für die entwicklungsgeschichtlich ebenso — der zweiten Hälfte des 18. und im Verlaufe der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts etwa folgende allgemeine Ansicht: schon früh, unmittelbar mit dem Erwachen des subjektivistischen Zeit⸗ alters seit Mitte des 18. Jahrhunderts entschiedene Versuche des Übergangs zu Freilichtmalerei und Impressionismus, die aber durch besondere Umstände in ihrer freien Entwicklung unterdrückt werden, ohne doch als Entwicklungsansätze in der Tiefe jemals wieder zu verschwinden; darauf eine große akademische Malerei, die gegenüber den ihrer Meinung nach destruktiven Tendenzen der soeben charakterisierten Unter— strömung Schutz sucht bei den strengen Formen der Alten und aus ihnen heraus von einer Umrißkunst zu einer Kunst der Lokalfarbe und einer Kunst der Tonmalerei und des gebundenen Werkstattlichtes fortschreitet; endlich, jenseits schon der Mitte des 19. Jahrhunderts, eine aus der bisherigen Unterströmung nicht ohne die Hilfe des Auslands hervorbrechende Freilicht- malerei, die ihrerseits zur Gegenwehr gegen die formenlösende Gewalt des freiflutenden Lichtes zurückgreift sogar bis zum ornamentalen Umriß der Frühzeit und damit selbstverständlich