Neue Anschauungen von Staat und Gesellschaft. 15 den schweren Drill, das abgezirkelt nichtige Wesen des Tages⸗ dienstes der Heere zur Verfügung. Und sie brauchten dabei aicht vor dem Offizierkorps dieser Heere Halt zu machen. Oder sollte die Schilderung Ewald von Kleists von seiner Eristenz im preußischen Heere aus eben den Jahren, denen das soeben angeführte Infanteriereglement angehört, nicht das Gewöhnliche des Offizierdaseins dieser Zeiten treffen? Wenn du nicht, wie der Sturmwind, sprichst, Nicht säufst, wie da die Erde sfäuft, Wo sich das Meer im Strudel dreht: Wenn kein Erdbeben dir den Leib Zu rütteln scheint, indem du zürnst: So mangelt's dir an Heldenmut. Und tanzest du den Phrynen nicht Von weitem eine Reverenz: So mangelt's dir an großer Welt. Wenn du nicht spielst und viel gewinnst, Bis der, mit dem du spielst, erwacht; Wenn Wollust unter Rosen nicht Dich in die geilen Arme schlingt, So fehlt dir Witz! So fehlt dir Witz! Indes in der Kritik all dieser Dinge handelte es sich doch schließlich vielfach um AÄußerlichkeiten, und man wird nicht finden, daß sich die neue Gesellschaft, ganz aufs Geistige ge⸗— richtet, mit ihnen übermäßig beschäftigt habe. Schlimmer war es schon, daß sich auch das Fürstenideal so bedenklich wandelte, daß es starker Kritik verfallen konnte. Wo waren jetzt die Zeiten hin, da sich die Stände beim Thronwechsel in irgendeinem Ländchen von dem neuen Fürsten bieder gewünscht hatten, er möge mehr ein rechter Hausvater als ein Heros sein! Man braucht nur die Fürstenporträts nach der Zeit um 1730 und auch noch durch mehrere spätere Jahrzehnte hin zu ver—⸗ folgen, um sich zu überzeugen, wie sehr das Heroenideal Frankreichs Nachfolge gefunden hatte: und selbst dann noch, wenn auch in etwas abgewandelten Formen, den deutschen Durchschnittsfürsten ergriff, als in König Friedrich schon längst ein wirklicher deutscher Held in all der einfachen Größe seines Daseins erschienen war. Denn viel aus dem