Neue Anschauungen von Staat und Gesellschaft. 17 e h 2 g e m ⸗ d ze doch selbst die Hunde der Untertaneu sämtlich Klöppel zu tragen, damit sie nicht jagten. Dieser festgehaltene Bestand abs olutistischer Rechte und Sitten, wie er der heimischen, deutschen Entwicklung entsprang, wurde nun aber um die Mitte und in der zweiten Hälfte des 18. Jahr⸗ hunderts auch noch durch fürstliche Einnahmen ergänzt, die deren höchste Ausnutzung und selbst darüber hinaus noch einen bielfach kindischen Luxus gestatteten, und die zudem ihrer Herkunft nach so besonderer Art waren, daß sie den Zeitgenossen schon deshalb eine verächtliche Kritik nahelegten. Es waren an erster Stelle die Einnahmen aus dem Soldatenhandel, der als nichts andres denn als eine besondere Sorte Sklavenhandel empfunden wurde, so sehr auch deutsche Söldner noch in ganze Regimenter organisiert einzeln und als Privatpersonen ihre Haut fremden Potentaten verkaufen mochten, wie 3z. B. die 12000 Deutschen der Regimenter Royal Allemand, Royal Deux⸗Ponts und Royal Etranger des Königs von Frankreich. Zu diesem schmählichen Erwerb kamen dann ferner die poli⸗ tischen Bestechungsgelder, die unter dem Namen der Subsidien von fremden Mächten, namentlich von Frankreich, bezahlt wurden, wenn sie auch in manchen Fällen in den Charakter wirklicher politischer Hilfsleistungen übergingen; man hat be— rechnet, daß die Summen, die in dieser Hinsicht der französische Hof allein zwischen den Jahren 1750 und 1772 bezahlt hat, iich auf 137 Millionen Francs beliefen. Natürlich klebte an solchen Einnahmen kein Segen; aller— mindestens galt von ihnen das Wort; Wie gewonnen, so zer⸗ ronnen. Mit welchen Empfindungen aber begleiteten unter solchen Umständen die Zeitgenossen nun den unsinnigen Luxus so mancher an sich hochbegabter Fürsten, wie er zumeist aus diesen Einnahmen gespeist wurde, z. B. etwa den des Herzogs Karl Eugen von Württemberg, des Herren Schillers, des Schülers Friedrichs des Großen! Welche ungeheuerlichen Ausgaben schließlich auf der Grundlage einer so gespeisten Herrschaft gemacht werden konnten, mag das Beispiel der Pfälzer Kurfürsten zeigen. In der Pfalz hatte der bigott katholische Kurfürst Karl Philipp im Ärger Lamprecht, Deutsche Geschichte. IX. 2