26 Dreiundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel. angeblichen Hang zum Kriege: dennoch aber verehrt er ihn als Helden und Friedensfürst. Im Laufe eines langen Lebens voll⸗ zog sich indes bei dem Dichter eine Weiterbildung des ursprüng⸗ lichen Ideals: es wurde geordneter, fester und wandelte sich in das Bild eines an sich freilich noch immer sehr verschwommenen, mit großen Worten, wenn nicht Phrasen um sich werfenden Republikanismus. Und in dieser Form sind denn diese ersten politischen Regungen auf den Hainbund übergegangen und von ihm überschwänglich gepflegt worden, wenn auch schon einige Dichter, wie Burger und Voß, Söhne niederer Kreise, das Bild in der Richtung auf soziale Forderungen konkreter — so oft durch radikales Durchdenken ohne Unterlaß ausgezeichnet hat, in Schwaben, ist, durch Schubart vermittelt, aus diesen Anfangsströmungen geradezu eine politische Opposition von Dauer hervorgegangen, deren weitere Entwicklung sich, wenn auch unter tausend Klärungen, Milderungen und schließ⸗ lichen Umbiegungen, bis auf die Zeiten Uhlands herab ver⸗ folgen läßt. Der Sturm und Drang war mit der Empfindsamkeit in der Kritik der Gegenwart begreiflicherweise vollkommen einig, nur daß er um noch vieles deutlicher sprach. Den Übergang des Denkens mag wieder eine Stelle aus Herders „Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit“ vermitteln: „So— bald der Regent in die Stelle des Schöpfers treten und durch Willkür oder Leidenschaft von seinetwegen erschaffen will, was das Geschöpf von Gottes wegen nicht sein sollte: sobald ist dieser dem Himmel gebietende Despotismus aller Unordnung und des unvermeidlichen Mißgeschickes Vater.“ Man sieht: bei aller Kritik, die hier formell noch verhältnismäßig mild ist, im Hintergrunde ein organisatorischer Gedanke. Die Stürmer und Dränger sind der Hauptsache nach nicht mehr Anarchisten gewesen, sondern Republikaner; und es bezeichnete den inneren Verfall ihrer Anschauungsweise, als gegen Schluß der Periode bei Schiller, in den „Räubern“, doch wieder der