2 Dreiundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel. sammen!. Es war der Punkt, in dem sie mit den vagen altruistischen Trieben der neuen Kultur des Subjektivismus, mit den erweiterten Freundschafts- und Gesellschaftsgefühlen einer schon bestehenden Entwicklung zusammentrafen: und so mit ihnen die breite Grundlage von Interessen zu bilden be— gannen, die schließlich Lessings Wort zu schanden machten, daß die Liebe zum Vaterlande höchstens eine heroische Schwach⸗ heit sei. Unmittelbar freilich hat der Siebenjährige Krieg keinerlei politische Literatur hervorgebracht. Was der Soldat sang, war noch nicht die Liebe zum Vaterland, sondern zum Metier; wie einz monarchischer Landsknechtssinn zieht es durch seine Lieder. Und auch die literarische Dichtung stand politischen Instinkten noch fern. Ramler preist Friedrich in den hohlen Aolsharfentönen antiker Oden; Ewald von Kleist, der sentimentale Dichter des Frühlings und doch preußischer Offizier, kennt nur die Heldengröße des Königs; selbst ein eigentlich nationaler Sinn fehlt noch seinem in vulgärer Auf— klärung befangenen Denken. Aber auch Gleim kommt nicht über einen inhaltslosen Patriotismus hinaus. Gewiß richten sich die Gedanken seiner „Grenadiere“ auf Gott und Vater— land. Doch von eigentlich staatlichem Denken ist in ihnen noch keine Spur zu entdecken. Des Dichters Ideal ist im Grunde ein weichlicher Friedenszustand im schlaffen Leben der Anakreontik, und Friedrich wird ihm zum sentimentalen Herrscher: Williger war nie ein Feind, Feinden zu verzeihn; Schneller nie ein Menschenfreund, Ausgesöhnt zu sein. Hellere und schärfere Töne schlägt erst nach dem Frieden der Ulmer Abbt an, der ganz zum Preußen geworden war. Voll feurigen Gefühls, in mancher Hinsicht ein nervöser Sohn der Empfindsamkeit und doch wiederum den Berliner Auf— Val. dazu z. B. Bd. VIII, 2, S. 426.