Neue Anschauungen von Staat und Gesellschaft. 73 Jugendzeiten der Reformation Protestanten. Und konnte ihnen unter diesen Umständen selbst der Reichsdienst von Ehre und Vorteil sein? Nur wenige seiner höheren Stellen waren Protestanten zugänglich. So dienten sie denn nicht selten im Ausland; und nahe Verwandte eben des Freiherrn sind diese Straße gewandelt. Ihn aber führte ein wunderlicher Zufall, darf man sagen, nach Preußen: und der, der ihn dort erkannte, festhielt, förderte, war Heinitz. Stein wurde alsbald in den modernsten Betrieben der damaligen preußischen Staatsverwaltung, vornehmlich im Berg⸗ wesen beschäftigt; dann aber trat er in den Dienst des preußischen Nordwestens, in dem er um die Wende des Jahr⸗ hunderts zu leitenden Stellen am Rhein wie in Westfalen emporstieg. Was er hier nun durch Jahre eifrigen Lernens hin im Un⸗ vollkommnen und Kleinen ausführte und plante, war nichts Geringeres als eine Liquidation der mittelalterlichen wirtschaft⸗ lichen sozialen und politischen Resterscheinungen: kann mithin als eine unmittelbare Vorbereitung gelten zu den großen Reformen im preußischen Gesamtstaate seit 1807. Freilich: radikal verfuhr er dabei nicht; nur gegenüber der katholischen Kirche, namentlich in der Behandlung ihres korporativen Lebens in Stift und Kloster, hat er scharfe Ein⸗ griffe versucht. Im übrigen ist es charakteristisch, daß er den französischen Umsturz alter Verhältnisse da, wo er völlig ein⸗ getreten war, wiederum beseitigte: entschieden hütete er sich davor, den geschichtlichen Faden zu verlieren, der, im Sinne eines organischen Fortschrittes weiter gesponnen, immer noch am sichersten aus dem Labyrinthe des Alten in einfachere und klarere Verhältnisse eines neuen Staatslebens hinüberführen mußte. So war er vor allem ein Feind völligen Abbruchs des äußeren, gleichsam institutionellen Skelettes des alten Staats⸗ lebens und von diesem Standpunkte aus ein Freund der alten Stände. Gewiß: sie sollten neu belebt, sollten um— gebildet, sollten ihrem Bestande nach durch jüngere Berechtigte