Die Freiheitskriege: 1809, 1815. 435 zurück, indem er es Macdonald überließ, mit einer detachierten Armee Blücher weiter zu beschäftigen und am Bober eine Stellung derart zu nehmen, daß die schlesische Armee weder mit der böhmischen noch mit der Nordarmee Fühlung gewinnen oder gar zu einer von ihnen abmarschieren könne. Macdonald glaubte diese Aufgabe am besten durch einen Marsch nach Jauer lösen zu können. Aber auf dem Wege dahin wurde er an der Katzbach von der schlesischen Armee gefaßt, am 26. August. Und nun entspann sich jene Summe wütender Einzelgefechte, die man als Schlacht an der Kastzbach zu⸗ sammenfaßt. Und wieder waren es die Preußen, die den Charakter des Kampfes bestimmten. „Das Feuer .. schwieg gegen Ende des Tages ganz, bis wir durch den durchweichten Boden wieder Geschütz herbeirufen konnten. Nur das Geschrei der Streitenden erfüllte die Luft; die blanke Waffe entschied.“ (Gneisenau.) Nach den Mühen des Kampfes aber nahm Blücher eine wütende Verfolgung auf, in die auch die Land— stürme der Gegend hineingezogen wurden, und die sich noch fast über die vollen nächsten vier Tage erstreckte. Dann mußte man freilich innehalten. Aber Schlesien war vom Feinde befreit; die Armee hatte trotz aller Verluste die Feuertaufe herrlich bestanden; sie wuchs unter Blücher zum machtvollsten Werkzeug der künftigen Kriegführung heran: und mit schwärmerischer Verehrung hing sie an ihrem greisen Führer, dem nimmer rastenden, in dem eine Jünglingsseele schlug: der sich an der Katzbach kaum davon hatte abhalten lassen, selbst mit Attacke zu reiten. Als Gesamtresultat der bisherigen Kämpfe ergab sich, daß sich Napoleon durch die Heldentaten der Preußen in der Nordarmee und in der schlesischen Armee auf Dresden zurück⸗ gedrängt sah. Inzwischen hatte sich aber auch die böhmische Hauptarmee zu rühren begonnen. In vier Kolonnen hatte sie am 22. August die von Böhmen her steil aufsteigenden Höhen des Erzgebirges erreicht, in Richtungen, die bestimmt waren, sie in Leipzig zusammenzuführen, wo man Napoleon vermutete. 98 *