8 Vierundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel. auch mit auf der ungeheuren Schnelligkeit, mit der sich die Ent⸗ wicklung in der zweiten Periode vollzogen hat und vollzieht? And ist sie insofern nicht durch die Rapidität unserer modernen wirtschaftlichen — und auch sozialen — Geschichte wenigstens mit in hohem Grade veranlaßt? Es erhebt sich hier ein uni— versalgeschichtliches Problem, das die Wissenschaft weit entfernt ist schon zu beherrschen: das nach dem Zeitmaß, dem Tempo des kulturgeschichtlichen Verlaufes. Nur so viel ist auf diesem Gebiete einstweilen sicher, daß das Zeitmaß in der Entwicklung der einzelnen großen menschlichen Gemeinschaften sehr ver⸗ schieden war und ist. Aber was sind die Ursachen dafür? Ist die Frage in der Tat mit dem bloßen Hinweis auf den Verlauf des Wirtschaftslebens erledigt? Oder lauern hier noch Geheimnisse analog dem nun über ein Jahrhundert un⸗ gelöst gebliebenen Geheimnis der chemischen Katalyse? Kehren wir in den engeren Kreis unserer Erzählung zurück, so ergibt sich, daß die Vergleichung der beiden Perioden zu⸗ gleich bestimmte Entwicklungsvorgänge innerhalb der ersten Periode besonders sicher erkennen läßt. Da gibt es zunächst keine elementare Erscheinung der zweiten Periode, die ihre Vorstufe in der ersten jenseits der Romantik gefunden hätte: mit der Romantik also schließen die entwicklungsgeschichtlich schöpferischen psychischen Vorgänge der ersten Periode der Haupt⸗ — —— sich eine ganze Anzahl solcher Vorgänge noch als in der Romantik zum ersten Male auf—⸗ tretend beobachten. Oder mit anderen Worten: die Romantik birgt in sich noch immer erst emporkeimende Naturalismen der ersten subjektivistischen Periode — natürlich solche, die sich denen der zweiten Periode am meisten nähern —: sie ist mithin noch aicht bloß eine idealistische Erfüllung dessen, was Empfindsam⸗ seil und Sturm und Drang naturalistisch errungen hatten: sie ist in mancher Hinsicht noch deren einfache, geradlinige Fortsetzung. Und doch liegt dieselbe Romantik hinter den Jahrzehnten des Klassizismus! Und ist in so vielen Dingen bereits idealistisch durch und durch: Synthese des Früheren, Erfüllung des Er—⸗ sehnten, und insofern Parallelerscheinung zum Klassizismus!