42 Vierundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel. gar auf die letzteren. Diese Deduktion benutzt für die Ordnung der Ka— tegorien die antithetische Methode, von der Kant überdies in sinnreicher Weise und unter Herbeiziehung der apagogischen Beweisform in den Anti⸗ nomien seiner transzendentalen Dialektik Gebrauch macht. Zugleich ist es die Deduktion der Kategorien, in der die folgenreiche Ergänzung der Anti— these durch die Synthese zum ersten Male in Anwendung kommt. Aber die Ausgangspunkte dieser Deduktion ermangeln bei Kant noch der dia— lektischen Notwendigkeit. Die Urteilsformen werden lediglich als tatsächlich vorhanden aufgegriffen, ohne daß nach ihrem Zusammenhang mit den all— gemeinsten Gesetzen des Denkens gefragt würde. Auf diese selbst, auf die Sätze der Identität, des Widerspruchs und des Grundes, in dieser ihrer logisch notwendigen Reihenfolge zurückzugehen, ergab sich daher als eine unmittelbare Forderuug. Mit ihr verknüpfte Fichte alsbald den Gedanken, jene logischen Grundsätze mit den einzelnen Akten des antithetisch-synthe— tischen Verfahrens in Beziehung zu bringen. So wurde das Identitäts— axiom zur ursprünglichen Thesis, die durch die Kraft der Verneinung von —D sich endlich beide in dem Satz des Grundes als ihrer logischen Synthesis vereinigen. Zu diesem ersten Prinzip der Methode, das auf die Platonische Dialektik zurückgeht, tritt aber als ein zweites das Postulat der onto— logischen Methode, daß es einen ursprünglichen Begriffsinhalt geben müsse, der durch sich selbst Evidenz besitze. Fichte bestimmte als diesen Begriff zuerst das reine Ich, Hegel setzte an dessen Stelle den allgemeineren des reinen Seins. In beiden Fällen ist es eine absolute Abstraktion, die das Resultat herbeiführt. Dort soll von jedem zufälligen Inhalt des Selbst⸗ bewußtseins, hier von jedem wechselnden Merkmal des zu Denkenden ab— strahiert werden. So kann denn nur das reine Selbstbewußtfein oder das bestimmungslose Sein zurückbleiben. Diese ersten ontologisch notwendigen Begriffe werden nun die Anfangspunkte einer antithetisch-synthetischen Be— griffssentwicklung, in der durch eine den Begriffen selbst immanente Dialektik das System der Begriffe entstehen soll.“ — Für die Entstehung der Tri⸗— chotomie der These, Antithese und Synthese ist namentlich die Einleitung zur „Kritik der Urteilskraft“, letzte Note, von Interesse; man vgl. hierzu, wie zu weiteren Zusammenhängen zwischen Kant und vornehmlich Fichte Heinze-Uberweg III, 1, 286. Übrigens lagen schon dem Klassizismus An— schauungen, wie sie die romantische Durchführung der Trichotomie be— herrschten, nicht fern. Man vgl. z. B. Wilhelm von Humboldt (ittel S. 91): „Wie der menschliche Geist nur durch Reflexion sich deutlich werden und diese nur durch Gegenüberstellen der objektiven und der sub— jektiven Welt geschehen kann, so bringt sich auch die Kraft des Uni— versums auf der Stufe, auf der wir sie kennen, nur dadurch zur Klarheit, —D selben erkennend, fühlend und wollend wiederfindet“.