Die Frühromantik. 39 gewachsen über die Fetischverehrung und den Fatalismus wie den Polytheismus früherer Zeitalter, dem Verständnis des Seins als eines Ganzen zugewandt, vor allem eine einheitliche Auffassung des Absoluten in der Form sei es des Monotheismus oder sei es des Pantheismus zu verlangen; und wie er die Form des Monotheismus in dem Christentum, dem er diente, verwirklicht sah, so verehrte er doch in gewissem Sinne nicht minder den Pantheismus Spinozas. „Opfert mit mir ehr— erbietig eine Locke den Manen des heiligen verstoßenen Spinoza! Ihn durchdrang der hohe Weltgeist, das Unendliche war sein Anfang und sein Ende, das Universum seine einzige und ꝛwige Liebe; in heiliger Unschuld und tiefer Demut spiegelte er sich in der ewigen Welt und sah zu, wie auch er ihr liebens⸗ würdiger Spiegel war; voller Religion war er und voll heiligen Geistes, und darum steht er auch da allein und unerreicht, Meister in seiner Kunst, aber erhaben über die profane Zunft, ohne Jünger und ohne Bürgerrecht.“ Wenn nun aber Schleiermacher die Religion so auf den frommen Drang zu einem monistisch gedachten sei es theistischen sei es pantheistischen Gotte zurückführte, so war er doch weit davon entfernt, diesem Drange das Sein der Zeit, insbesondere auch den Fortschritt wissenschaftlichen Denkens unterordnen zu wollen. Schon in den Monologen hat er einen solchen Primat religiösen Empfindens verworfen: die freieste geistige Selbst— bestimmung müsse obwalten; jedes Individuum habe in sich die Menschheit auf eigentümliche Weise darzustellen und dazu sei vor allem Eines nötig: Freiheit des Denkens, unabhängig bon allem Gefühl, auch vom religiösen. In diesem Zusammen-— hange bezeichnete er es denn als das Bedürfnis gerade seines Zeitalters, „einen ewigen Vertrag zu stiften zwischen dem lebendigen christlichen Glauben und der nach allen Seiten freigelassenen, unabhängig für sich arbeitenden wissenschaft⸗ lichen Forschung, so daß jener diese nicht hindere und diese aicht jenen ausschließe“. Ist aber dieser Vertrag geschlossen, bewegen sich Glaube und Wissenschaft frei nebeneinander, so bleibt dem sittlichen Menschen die Aufgabe, in der Dar—