Die Frühromantik. 77 ohne jede Zwischenleitung erfließende Formen annimmt. Was ihn erfüllt, sind die einfachsten Empfindungen der Romantik, gewiß an sich Mischgefühle, doch von vollem harmonischem Ton: die frühe Todessehnsucht des Brustkranken, die Trauer um eine in den Jugendjahren dahingegangene Geliebte, zu der ihn der Wunsch innigster Vereinigung im Jenseits treibt: der Kultus der Nacht, des Todes, der Toten. Mit welch einfacher Ge⸗ walt weiß er sich in die Gefilde dieser Toten zu versetzen und verleiht er den Abgeschiedenen Sprache: Süßer Reiz der Mitternächte, Stiller Kreis geheimer Mächte. Wollust rätselhafter Spiele, Wir nur kennen euch .... Zauber der Erinnerungen, Heil'ger Wehmut süße Schauer, Haben innig uns durchdrungen, Kühlen unsre Glut. Wunden gibt's, die ewig schmerzen: Eine göttlich tiefe Trauer Wohnt in unser aller Herzen, Löst uns auf in Eine Flut. Und in dieser Flut ergießen Wir uns auf geheime Weise In den Ozean des Lebens, Tief in Gott hinein; Und aus seinem Herzen fließen Wir zurück in unsre Kreise, Und der Geist des höchsten Strebens Taucht in unsre Wirbel ein. Welch Zug tiefster Mystik spricht zudem aus diesen Versen! Dunkle monistische Triebe, als deren Kern und Umhüllung bald christologische, bald pantheistische Gefühle emportauchen, vage Phantasien des Jenseitigen, in der Körperliches und Körperloses wechselreich durcheinanderflutet: sie dringen un— aufhaltsam empor. In seinen schönsten Gedichten aber und seinen besten Stunden verklärt sie der Dichter und klärt sie zu⸗ gleich ab zum christlich-geistlichen Lied, zum Ausdrucke reinsten Schauens und milden persönlichen Ergriffenseins von biblischer Offenbarung: