Vierundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel. voneinander zu unterscheiden gewesen wären. Die erste, nationale, ist subjektivistisch überhaupt: sie hat als solche un— geheure Wirkungen gehabt; denn sie ist ein wesentliches Cha— rakteristikum der subjektivistischen Persönlichkeit bis auf die Gegenwart geblieben: auf ihr beruhen u. a. die politischen Einheitsbestrebungen des 19. Jahrhunderts. Die zweite da— gegen ist zunächst wenigstens spezifisch frühromantisch; und in— sofern ist sie das tiefste Charakteristikum eben nur dieser Zeit. Aber da mit ihr zugleich der allgemeine Höhepunkt der seelischen Entwicklung der ersten subjektivistischen Periode überhaupt er⸗ reicht wurde, denn über ihre extremen Erscheinungen ist nichts Spateres hinausgegangen, so war klar, daß auch ihre Wirkung nicht in ihrer Entstehungsperiode allein beschlossen war; vielmehr hat sie fortgewährt bis zum Schlusse der ersten subjektivistischen Periode, ja teilweise darüber hinaus bis auf heute. Und es wird nicht eine der geringsten Aufgaben unserer Erzählung sein müssen, diese Wirkung ihrem ganzen Umfange nach immer wieder aufzudecken und zu verfolgen. Freilich erscheinen dabei die Anfänge dieses Einflusses, soweit wir sie bisher kennen, an der Geschichte der früh⸗ romantischen Dichtung gemessen, nicht eben sehr versprechend. Gewiß: auf dem weiten Felde der Genesis von Weltanschau— ungen hatte sich der mystische Subjektivismus bewährt: wo ist je ein einheitlicheres System des philosophischen Subjekti— vismus entstanden, als das Fichtes, wo ein vergeistigteres System eines kosmischen Monismus, als das Schellings? Allein in der Dichtung hatte das neue Seelenleben gegenüber allen objektiveren Formen zunächst versagt, so gegenüber dem Drama und selbst gegenüber der Erzählung; auf diesem Ge⸗— biete kamen nur Erzeugnisse höchst preziöser Natur zutage, in denen das Wesen subjektiver Willkür, vielleicht geistreich, sicherlich wahllos zu walten schien; und nur in der Lyrik er— gaben sich neue Töne von unbedingter Bedeutung. Zunächst wurde hier freilich auch nur die schon bestehende Lyrik des nationalen Historismus und Regionalismus, die Ballade, das Volks- und das Gesellschaftslied, die landschaftlich symbolisierte