Die Spätromantik. u4s Studium des größten Deutschen der Zeit vollendeter Wieder— gabe des Umrisses, Dürer, wie auch der Kleinmeister des 16. Jahrhunderts hingegeben. In ihnen wurzelte dann zeit— lebens seine Kunst, nur daß er sich aus dem Realismus des Umrisses heraus doch immer wieder dem besonderen Zuge zum Stilisiert-Erhabenen hingab. Da konnte ihm denn Rom, das er auf Goethes Rat aufsuchte, auch neben den deutschen Meistern noch unendlich viel bieten: die Antike und Thorvaldsen, Raffael und vor allem Michelangelo begannen auf ihn zu wirken. Das Ergebnis war eine Auffassung, die sich im Sinne erweiterter und romantisch beeinflußter Stildurchbildung an Carstens anzuschließen schien; nur daß Cornelius Carstens an der Hand größerer Aufgaben wie auch innerlich, im gedanklichen Auswachsen überholte. Das um so mehr, als er den ganzen Ernst und Eifer der Nazarener teilte: „Wie rein und heilig war das Ziel,“ hat er noch im Greisenalter von diesen Zeiten sagen können, „wonach wir rangen! Unerkannt, ohne Auf— munterung, ohne Hilfe, als die des liebenden Vaters im Himmel!“ Von Rom wurde Cornelius schon frühzeitig heimwärts gerufen. Hatte er in einem Brief an Görres gemeint, die Kunst müsse zur Veredlung und Verherrlichung des öffentlichen Lebens dienen und als Bedingung hierzu, zugleich zur Ent— wicklung einer volkstümlichen Bildung, die Freskenmalerei be— zeichnet: so schienen König Ludwig J. von Bayern und später König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen bereit, in diesem Verstande die Kunst zu fördern. Und an Mitteln hierzu, wie überhaupt zu fürstlichem Mäcenat, fehlte es wenigstens in Bayern nicht: König Ludwig hat in 28 Jahren mehr als 37 Millionen Gulden aus seiner Privatschatulle geopfert, um München zur Kunststadt zu machen. Aber war das Zeitalter für eine öffentliche Kunst auch reif? Und konnte eine solche Kunst jetzt eben das Fresko sein oder werden? Ja vermag eine öffentliche Kunst überhaupt zugleich volkstümlicher „Bildung“ zu dienen? Cornelius kehrte im September 1818 nach Deutschland Lamprecht, Deutsche Geschichte. X.—. 10