Die Spätromantik. 225 methoden auf: es sind die Zeiten des Wissenschaftsbetriebes im Sinne der Brüder Grimm und der metaphysischen Lehren Hegels. Für die Entwicklung der Geisteswissenschaften in den ro— mantischen Zeiten ist einer der auffallendsten Züge zunächst die außerordentliche Erweiterung des Materials. Zwar war diese um das Jahr 1800 an sich nichts Neues. Wie hatte doch schon in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts das posititive Wissen vom Menschen der Gegenwart wie der Vergangen heit zugenommen! Da war die antike Welt erst recht auch über die Kenntnis hinweg aufgetaucht, die den überlieferten Schrift⸗ stellern zu entnehmen war; große Forscherreisen hatten der abendländischen Welt wichtige plastische und bauliche Denk⸗ mäler Griechenlands und Kleinasiens näher gebracht; und eine Fahrt nach Italien, die sich wohl bis tief in das alte Groß— griechenland erstrecken mochte, war unter Gebildeten nicht ganz mehr eine seltene Ausnahme. Aber wie man gleichzeitig auf dem Wege der psychologischen Untersuchung in die eigene Welt des Abendlandes, namentlich auch die der Gegenwart, immer tiefer eindrang, so hatte man auch, dank dem Mittel der An— eignung geographischer und historischer Kenntnisse, deren Grenzen weit überschritten: wieviel Erkenntnis verbreitete da nicht die Literatur der Reisen schon bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts, und wie bestrickend wirkten nicht in dessen zweiter Hälfte die Berichte der großen Weltumsegler, die Schriften über die Cook— schen Fahrten, die Bücher Forsters! Dennoch ist mit der Romantik wiederum — und für die Geschichte der ersten Periode des Subjektivismus darf man sagen: noch einmal — eine außerordentliche Bereicherung des geisteswissenschaftlichen Materiales eingetreten. Heeren, in feinen Ideen über die Politik und den Verkehr der vornehmsten Völker des Altertums, hatte recht, wenn er seiner Zeit be— zeugte, es habe „noch nie einen Zeitraum gegeben, wo die Erde und ihre Bewohner so allgemein Gegenstand der Forschung gewesen wären; noch nie ein Volk, dessen Wißbegierde mit einem so gleichen Interesse alles umfaßt hätte“, als sein Zeitalter und Lamprecht, Deutsche Geschichte. X. — 15