Die Spätromantik. 249 Gebiete der Geschichtswissenschaft, und das hieß in den Geistes— wissenschaften überhaupt, im Grunde unvermittelt zwei Er— scheinungen nebeneinander entgegen: die Staatengeschichte mit ihrem Aufbau in Motivenreihen und Ideenfolgen, und die Kulturgeschichte in ihren Einzelerscheinungen: und höchstens durch den gleichen Betrieb der niederen kritischen Methoden erschienen die beiden auf dem Boden der gleichen Wissenschaft miteinander verbunden. War aber damit nicht die Möglichkeit gegeben, sie wenigstens in einem philosophischen Systeme ein erstes Mal anzunähern, um so mehr, als die höhere Methode der Staatengeschichte mit der Ideenlehre unmittelbar in die Gebiete der Metaphysik hinüberführte?1 Es ist der Zusammenhang, in welchem das letzte der großen romantischen Philosophiesysteme, dasjenige Hegels, vor⸗ nehmlich fruchtbar geworden ist; es war das letzte Stelldich— ein zugleich, das sich auf lange hin Wissenschaft und Welt-— anschauung unter ausgesprochener Zulassung der Werte der letzteren in die Wissenschaft schienen geben zu können: denn schon begann die wissenschaftliche Bewegung zu überwiegen, während die philosophisch-poetische zurücktrat: Hegels System begrenzte die Romantik gegen die sich öffnenden Tore des Realismus. Hegel, 1770 zu Stuttgart geboren, war früh mit Schelling befreundet, dem gleich er auf dem Tübinger theologischen Stifte studiert hat. Nach einigen Hauslehrerstellungen von Schelling im Jahre 1801 nach Jena gezogen, lehrte er dort mit diesem bis zu dessen Abgang im Jahre 1803 in Eintracht und Freund— schaft, trennte sich aber schon in der „Phänomenologie des Geistes“ vom Jahre 1806 deutlich von ihm. Sein System hat er aber eigentlich doch erst in der „Wissenschaft der Logik“, seit 1812, und in der „Enzyklopädie der philosophischen Wissen— schaften im Grundrisse“, 1817, aufgebaut. Seit 1818 Pro— fessor an der Universität in Berlin, wo er 1881 der Cholera erlag, hat er von da ab außer einer Rechtsphilosophie wenig mehr veröffentlicht, um so mehr aber durch Vorlesungen gewirkt,