296 Vierundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel. Zugleich aber ergaben sich aus dieser Theorie ohne weiteres sehr nahe Beziehungen, wie es schien, zwischen Elektrizität und Chemismus. Und diese Fundamentalanschauung blieb lange Zeit hindurch erhalten, welches auch im übrigen die mannig— fachen Schicksale der Theorie von Berzelius waren, wie wir sie später kennen lernen werden. War nun aber damit nicht eine weitere Grundlage für eine gemeinsame Auffassung der großen chemischen und elektrischen Agentien gewonnen? Und schien sich nicht bald eben die Identität von Chemismus und Elektrizität durch Faradays Entdeckung der elektrolytischen Gesetze noch in besonders hohem Grade zu bestätigen? Von neuem, nur in schon weit deutlicherer Klarheit wie in der Naturphilosophie um 1800 tauchte damit die Frage auf, welche Beziehungen denn eigentlich zwischen allen großen Agentien walten möchten. Und diese größere Klarheit bedeutete zu— gleich auch eine stärkere Begrenzung des Problems. In den Zeiten der Naturphilosophie hatte man alsbald die eine Lösung in einem großen geistigen Absoluten gesucht; aber es war schlechterdings unmöglich gewesen, zwischen diesem und der Erscheinungswelt der großen Naturagentien unmittelbare Zu— sammenhänge auch nur divinatorisch sicher, geschweige denn experimentell völlig klarzulegen. Jetzt beschränkte man sich in der Fragestellung. Nicht mehr auf das Absolute unmittelbar richtete sich die um so vieles realistischer gewordene Wissenschaft, sondern nur auf die Relationen, die in und aus der Erscheinungswelt auf dies Absolute allenfalls hinzuweisen schienen: auf die Vor⸗ gänge der Kraftäußerung und der Bewegung der verschiedenen Agentien. Was war unter ihnen zu denken? Waren sie etwa gar unter irgendwelchem Gesichtspunkte einheitlich geordnet? Das wurde die brennende Frage, die im Laufe der dreißiger Jahre immer wieder auftauchte. Herkömmmlich galten nun auf diesem Gebiete noch immer die von Newton aufgestellten Begriffe, und vielfach hatte man sich gewöhnt, das, was Newton nur als Hypothese aufgestellt hatte, als bewiesene und allgemein gültige Wahrheit zu be— trachten: eine Umsetzung von Vermutungen in Gewißheit unter