180 Vierundzwanzigstes Buch. Fünftes Kapitel. in der edle Frauenbilder alle Männer zu ihren Füßen zwingen sollten, ohne sich auch nur einem einzigen hinzugeben. Aber m ganzen überwogen doch auch unter den selbständig werdenden Frauen die ruhigen, ihrer selbst sicheren Charaktere, wie etwa Fanny Lewald, die schließlich, fern allem Überstürzten, nicht so sehr als geistige Produzenten — die Lewald hat allerdings seit den vierziger Jahren auch Romane geschrieben — wie als früheste Vertreterinnen jenes gemäßigten Liberalismus von Bedeutung wurden, der den Frauen größere Freiheit wenigstens der weiblichen Lebensberufe zusprach. In ihrem Sinne vor allem also bestand in der Tat eine Frauenfrage; und das Junge Deutschland hat sich dieser schon dadurch angenommen, daß es wohl zuerst die Frauen als Heldinnen von Dichtungen, ins— besondere des Romans, in die Literatur einführte, obgleich es den Ohren der Gegenwart wunderlich genug klingen mag, wenn Mundt in seinem Romane „Madonna, oder Unter— haltungen mit einer Heiligen“ die Perversität der Stieglitz als „christliche Gesinnung“ feiert. Übrigens waren Charlotte Stieglitz wie auch Fanny Lewald und nicht minder die Herz und die Mendelssohn-Veit-Schlegel Jüdinnen: ein Moment, das schon deutlich genug zeigt, wie die Anfänge der deutschen Frauenemanzipation mit der Emanzi⸗ pation der Juden aufs innigste verquickt sind. Dieser Zu— sammenhang trat aber in dem Verhalten auch des Jungen Deutsch⸗ lands um so deutlicher hervor, als die Juden von jeher, so— lange dies nur möglich war, liberale Grundsätze bekannt hatten. So hatte Moses Mendelssohn schon 1784, in seinem „Jerusalem“, die letzte Liquidationsforderung des Subjektivismus, das Postu—⸗ lat einer unbedingten Trennung von Kirche und Staat aus— gesprochen; so waren noch jüngst Börne und Heine Vorläufer der neuen liberalen Bewegung gewesen. War nicht schon dies alles Grund genug, dem Problem der Frauenemanzipation das der Judenemanzipation hinzuzufügen, — den Edikten der Zeit der Freiheitskriege noch nötig erscheinen mochte? Charakteristisch aber bleibt, daß die Forderungen auf diesem Gebiete doch längst nicht mit der Energie vorgetragen