Fortschritte des politischen Denkens. 481 wurden, mit der sich das Junge Deutschland für die Frauen einsetzte. Im tieferen Grunde sieht man da schon einen Juden⸗ haß erwachen, der dann in den vierziger Jahren eigentlich jedermann, vom Hochkonservativen bis zum Demokraten kom⸗ munistischer Färbung, erfüllt oder wenigstens berührt hat. Es war die Zeit, da Feuerbach als Prinzip der jüdischen Religion den Egoismus verkündete: „Der Jude ist gleichgültig gegen alles, was nicht unmittelbar auf das Wohl des Selbst sich bezieht“; „Die Juden erhielten von Jehova das Gnadengebot zu stehlen“. Es waren die Jahre, da Dingelstedt dichtete: Wohin ihr faßt, ihr werdet Juden fassen, Allüberall das Lieblingsvolk des Herrn! Beht, sperrt sie wieder in die alten Gassen, Eh' sie euch in ein Chriftenviertel sperr'n. Das Jahr 1847 hat trotzdem in Preußen den Juden die Rechtsgleichheit und das Recht zu allen, außer den obrigkeit⸗ lichen Amtern gebracht: so stark war damals noch die Politik der Prinzipien, mochte auch bei den Verhandlungen des preußischen Landtages Freiherr von Thadden-Trieglaff, der Führer des nordostdeutschen pietistischen Protestantismus, unter lebhafter Zustimmung Bismarcks vielmehr die, Emanzipierung der Christen von den Juden“ fordern und in gleicher Zeit in Frankreich Toussenels Buch Les Juifs rois de l'époque erscheinen. Und schon waren um diese Zeit auch die Juden Helden von Ro— manen geworden.; Auerbach hatte 1887 und 1839 Judenromane erscheinen lassen; Leopold Komperts Werke begannen um 1850 auszugehen; und die fünfziger Jahre erlebten die Veröffent— lichung von Freytags „Soll und Haben“, das den beliebten Gegenstand, wenn auch nicht im vordersten Plane, aufnahm. Es war zu einer Zeit, da freilich das Schicksal des Jungen Deutschlands längst besiegelt war und nur noch einige seiner wichtigsten Vertreter unter ganz veränderten Verhältnissen fort⸗ schufen. Die Anfänge des Jungen Deutschlands waren in gewissem Sinne durch Kühnes Novellen, 18831, bezeichnet. Deutlich er⸗— kennt man bei ihm noch Einflüsse Herders und seiner Epoche, Lamprecht, Deutsche Geschichte. X. 81