516 Vierundzwanzigstes Buch. Fünftes Kapitel. wiederum ein Jahr darauf, im Februar 1848, beantragte Bassermann im badischen Landtage die Berufung eines nationalen, eines politischen deutschen Parlamentes neben dem Bundestag. Zugleich mit der Verdeutlichung vor allem zunächst der na⸗ tionalen Forderungen wuchs aber auch das allgemeine Unbehagen mit dem Bestehenden; die Nation begann zu fiebern, Gewalt⸗ tätigkeit aus gleichviel welchem Anlaß wurde zum Zeichen der Zeit: bereits 1845 kam es in Leipzig, auch in München und Stuttgart zu Unruhen. Und schon erschienen jetzt Männer liberaler Gesinnungsart als Reaktionäre, die noch 1840 als fortschrittlich gegolten hatten: der Radikalismus erhob sein Haupt und organisierte sich 1846 zum ersten Male partei⸗ politisch in der badischen Kammer unter Hecker, Struve und Fickler: unruhig wurden der Strom des nationalen Lebens, aufzischend da und dort unter entgegenstrebenden Hindernissen: das brodelnde Kochen von Wässern stellte sich ein, die nahen Katarakten entgegeneilen. Da mochte denn wohl ein Schweizer Kind, das treu deutsch beobachtete, im Jahre 18485 noch gelegentlich dichten: Noch kämpfen wir, durchringend Jahr um Jahr, Noch tut uns not ein scharf, ob unschön Zanken; Durch dieses Zeitenwaldes wirre Ranken bacht eine Zukunftsau noch nicht uns klar. (Gottfried Keller.) Bei den wahren Propheten der Zukunft streckten sich gleich⸗ wohl die Ziele bereits deutlicher vorwärts, und von fern leuchteten den rechten Sehern und sah auch Gottfried Keller bereis blutig lohende Fanale: Sie sehnen sich nach Gewitternacht, Nach Sturm und Regen und Donnerschlag, Nach einer wogenden Freiheitsschlacht Und einem entscheidenden Völkertag! Das waren denn wahrlich nicht mehr die Ideale, die der alternde Goethe erspäht hatte: „nicht sicher zwar, doch tätig frei zu wohnen“. Anderes kuündete der Führer eines neuen dichtenden