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        <title>Neueste Zeit</title>
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            <surname>Lamprecht</surname>
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      <div>168 Vierundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel. 
wicklung der Spätromantik auf dem Gebiete der Erzählung, 
im Bereiche des prosaisch-epischen Schaffens überhaupt. 
Zunächst lag es hier in der Natur der Gattung selbst, daß 
die objektive Romantik von vornherein überwog: wie hätte 
man nur in Gefühlen erzählen sollen? Indem dies aber un— 
vermeidlich erschien, wurden freilich in den Zeiten der Früh— 
romantik die Elemente aller höheren Erzählungsformen, die 
kurze szenische Darstellung, der reflexionslose Bericht, von den 
wichtigsten Vertretern der neuen Poesie so gut wie gar nicht 
gepflegt. Und so blieb es denn der Produktion für die Massen, 
dem literarischen Kunsthandwerk überlassen, sie zu entwickeln. 
Es geschah zum Teil noch im Anschluß an die Ritter- und 
Räuberromane des Sturmes und Dranges, bei denen im ge— 
wissen Sinne Goethe mit dem „Götz“ und Schiller mit den 
„Räubern“ Paten gestanden hatten. Die von der Romantik 
hinzugebrachte umfangreichere Form aber war der Schauer— 
roman, in dem tolle Phantastik, echte und vermeintliche Ge⸗— 
spenster, unbegreifliche Vorgänge, Wunder und Zeichen ihr 
Wesen trieben; und als ihr konstituierendes Formgebilde wurde 
die Märchenerzählung entwickelt. Die Anfänge gehen hier wohl 
noch bis in die achtziger Jahre des 18. Jahrhunderts zurück; 
von besonderem Einflusse scheinen bald Veit Webers (Leonhard 
Wächters) „Sagen der Vorzeit“ gewesen zu sein, die in den 
Jahren 1787 bis 1798 veröffentlicht wurden. 
Die Produktion an Ritter-, Räuber- und Schauerromanen 
weiter zu verfolgen, bleibt außerhalb des Bereiches unserer 
Erzählung, da die Formentwicklung auf diesem Gebiete gering 
war. Denn Ernst Theodor Amadeus Hoffmann, der in ge⸗— 
wissem Sinne als der höchststehende Vollender dieser Dichtung 
anzuführen wäre, hat zwar den Kultus des Schauerlichen durch 
eine volle Umkehrung der Welt, indem er das Philiströse als 
schrecklich und ungewöhnlich, die Romantik aber als selbst— 
oerständlich schilderte, zum Außerordentlichsten gesteigert; er ge⸗ 
bietet auch über eine ungemein saubere Form und jenen persön⸗ 
lichen Stil, den die Franzosen besonders lieben und der ihm eine 
nicht unverächtliche Stellung in der Weltliteratur eingetragen</div>
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