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      <div>Die Spätromantik. 
219 
wie sich ihm, seit etwa 1770, langsam ein pflanzlicher Typ 
ergab, der sich in allen konkreten Pflanzengebilden nach den 
Prinzipien der Kontraktion und Expansion der hauptsächlichsten 
Teile auswirke: wie er dann seit 1791 auch einen Tiertypus 
aufstellte, bei dem die Wirbelknochen bis zu dem Grade die 
Rolle von Hauptkomponenten übernahmen, daß aus ihnen die 
Schädelbildung erklärt wurde: wie dann schließlich beide Typ— 
ansichten in leise Vorstellungen eines Urtyps überhaupt zu— 
sammenschießen konuten. In diesem Sinne hat der alternde 
Goethe einmal geäußert, daß die Systeme des Kelches, der 
Krone und der Staubfäden dem Systeme der Stengelblätter 
korrespondieren, Pistill, Fruchtbehälter und Frucht aber dem 
Systeme der Augen angehören. „Wer sich dies anschaulich 
machen kann, wird einen tiefen Blick in die Naturgeheim— 
nisse tun.“ 
Charakteristisch war dabei für Goethe, daß er im allgemeinen 
in den Grenzen der eben geschilderten Vorstellungen stehen 
blieb. Es war ihm das Reich des noch Anschaulichen. Darüber 
hinauszugehen, erschien ihm schreckhaft. „Das unmittelbare 
Gewahrwerden der Urphänomene versetzt uns in eine Art 
von Angst; wir fühlen unsere Unzulänglichkeit; nur durch das 
ewige Spiel der Empirie belebt, erfreuen sie uns.“ Methodo⸗ 
logisch betrachtet bedeutete dies die Einschränkung auf eine 
physiologische Stufe dynamisch- organischer Naturanschauung. 
Gewiß löste sich Goethe dabei von den biblischen Ideen los, 
die für Herder immer und immer wieder das Bild der Ent— 
stehung der organischen Natur bestimmt hatten. Aber aus der. 
Welt der in ihrer Genesis biblisch nicht mehr begrenzten physio⸗ 
logischen Möglichkeiten bis zu jenem Urgrunde vorzudringen, 
den eigentlich schon der energetische Monismus Leibnizens 
klargelegt hatte: als Grundprinzip eine Kraft anzunehmen, von 
der aus Energieäußerungen Ursachenzusammenhänge schüfen, die 
sich bei der ständigen Art der Energieausstrahlung als kon⸗ 
tinuierlich erwiesen: und nun diesen Urgrund mit der Mannig-— 
—VV 
nistische Hypothese und Theorie zu verbinden: so weit ging</div>
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