Erste Stufe der kleindeutschen Lösung der Einheitsfrage. 398 nationaler Einigung nur auf preußischer Grundlage möglich sein werde. Wenn irgend etwas außerhalb Deutschlands, so hatte dies die äußere Politik Osterreichs in dem verflossenen Jahrzehnt gelehrt. Osterreich hatte in ihr nach Osten wie Süden hin, an allen ihm offenen Grenzen gegenüber Rußland und der Türkei wie Italien nur ausschließlich österreichische Interessen verfolgt; und seine Haltung in diesen Richtungen hatte auch sein Verhalten gegenüber den Westmächten, insbesondere dem für Süddeutschland so wichtigen Frankreich, wie zu den Ver— suchen des Deutschen Bundes selbst, in die äußere Politik ein— zugreifen, bestimmt. Träger der spezifisch deutschen Interessen aber war bei diesem Versagen Hsterreichs wie von selber Preußen geworden. Gewiß hatte Preußen dabei die ihm zufallende Rolle nicht besonders kühn geführt; von einem irgendwie bestimmenden Einflusse der Politik des Deutschen Bundes etwa unter seiner Führung auf den Verlauf der europäischen Gesamtpolitik war nicht die Rede gewesen. Aber immerhin hatte es sich in den wesentlichsten Momenten der Inanspruchnahme deutscher Inter⸗ essen bemerklich gemacht und war der Entwicklung und Durch— bildung der italienischen Einheitsbewegung wenigstens tatsächlich kaum entgegengetreten. Konnte man da von ihm nicht auch für die deutsche Sache wenigstens einiges Wohlwollen und Ver— ständnis erwarten? Lamprecht, Deutsche Geschichte. XI, 2. 26