Erste Stufe der kleindeutschen Lösung der Einheitsfrage. 408 nicht vereinbar. Aber der Prinzregent ging auf diese Gedanken nur widerwillig ein; seit April 1861 stockte darum die ganze Behandlung der Frage: und Preußen erwies sich als von den großen Fragen der Bundesreform abgedrängt. Um so mehr griff Preußen wohl von sich aus ein, wo es die Ehre des Bundes und des deutschen Namens zu schützen galt, so, wie wir wissen, in der unglücklichen kurhessischen An— gelegenheit, so in der schleswig-holsteinischen Sache, wie wir bald hören werden. Der Einbringung neuer Verfassungs⸗ anträge beim Bunde dagegen enthielt es sich zunächst, so sehr für solche Material und Form, teilweise im Verein mit Baden, gesucht wurde: so daß die Initiative zunächst wieder auf die Mittelstaaten und bei deren Einverständnis mit Osterreich mittel⸗ bar auf dieses überging. Da trat denn zunächst Beust im Oktober 1861 wieder mit einem Entwurfe auf; er lief darauf hinaus, an die Spitze des Bundes ein Direktorium zu stellen, das aus Hsterreich, Preußen und einem dritten Bundesstaat bestehen sollte, den Bundestag zu einer Art Bundesrat umzugestalten und als beratendes größeres Organ eine Versammlung von Delegierten der Einzellandtage hinzuzufügen. Im ganzen beabsichtigte das Projekt, wie man sieht, eine Majorisierung Preußens durch Österreich und einen Osterreich ergebenen Mittelstaat. Preußen antwortete darauf unter dem 20. Dezember 1861: der heutige Deutsche Bund sei ein Staatenbund und lasse sich nicht verbessern; Heil sei nur in einem engeren Bundesstaat — gemeint war natürlich unter Preußens Führung — innerhalb des alten Gefüges zu erkennen. Die Wirkung dieser offenen Aussprache auf die kleinen Staaten war stark; man beruhigte sich erst, als man hörte, Osterreich wolle nunmehr offen seinerseits die Bundesreform, d. h. nach Lage der Dinge den Widerstand gegen Preußen, in die Hand nehmen. Osterreich begann damit, daß es dem Berliner Kabinett in einer identischen Note von sich, den vier Königreichen, Darmstadt und Nassau die Unausführbarkeit seiner Pläne