Erste Stufe der kleindeutschen Lösung der Einheitsfrage. 417 Nun war klar, daß damit die endgültige Lösung wiederum nur um ein Jahr verschleppt war. Allein jetzt war zugleich die Legislaturperiode abgelaufen; neue Wahlen standen bevor. Sie wurden am 6. Dezember 1861 vorgenommen und ergaben eine der Regierung durchaus feindselig gesinnte Mehrheit. Schon während der ersten Tagung des neuen Hauses kam es daher zu einer Ministerkrisis und zur Auflösung des Landtags. Das neue Ministerium unter dem Präsidium des Prinzen von Hohenlohe⸗Ingelfingen war weit konservativeren Charakters; neu war in ihm vor allem der späterhin vornehmlich aus den An— fängen des Kulturkampfes bekannte Kultusminister von Mühler; aus dem alten Ministerium verblieb bezeichnenderweise nament⸗ lich der Kriegsminister von Roon. Unter diesem Ministerium fanden darauf die neuen Landtagswahlen unter Anwendung alles Regierungsdruckes statt: gleichwohl ergaben sie wieder einen durchaus oppositionellen Landtag, Mai 1862; keiner von den Ministern wurde gewählt; die Partei der Konservativen sank auf zehn Stimmen; die beiden Fraktionen des ent— schiedenen Liberalismus umfaßten zwei Drittel aller Ab— geordneten. Die Mehrheit dieses Landtags lehnte nun die Kosten für die Heeresreorganisation überhaupt und ohne weiteres ab: völlig klar und zweifellos erschien der Konflikt zwischen Regierung und Volksvertretung. Und diese Lage führte zum Austritt der gemäßigteren Mitglieder des Ministeriums. Da ernannte der König zum Präsidenten des gebliebenen Restes der Minister seinen Pariser Gesandten, Otto von Bis— mnarck-Schönhausen. Zugleich übernahm Herr von Bismarck auch das Auswärtige, in welchem er für den Blick der meisten Zeitgenossen zunächst am ehesten zu Hause zu sein schien. Aber diesen Zeitgenossen galt er überhaupt wesentlich als homo novus; sie wußten nichts davon, wie oft der Herr von Bis— marck schon unter Friedrich Wilhelm IV. „die Schwierigkeit, gleichzeitig gehorsamer und verantwortlicher Minister zu sein“, mit Erfolg von sich abgehalten hatte. Wohl aber kannten sie den neuen Ministerpräsidenten als einen der tollkühnsten Junker. Und so empfingen sie ihn mit unverhohlenem Mißtrauen. Es