IV. Nach dem gemeinsamen Feldzuge blieb das Verhältnis der heiden deutschen Großmächte zunächst ungetrübt. Insbesondere die Herrscher, von denen König Wilhelm noch immer in der in seinem Hause herkömmlichen Ehrfurcht vor dem habsburgischen Kaiserhause fortlebte, verstanden sich wohl und fanden in der Erinnerung an die gemeinsamen Waffentaten ihrer Heere eine ständig gemeinsame Freude; als undenkbar würden sie es damals abgewiesen haben, daß sich nun rasch ein Kampf zwischen ihnen wegen der deutschen Vorherrschaft entzünden könne. Indes nach⸗ dem nun einmal die Herzogtümer Schleswig und Holstein an Osterreich und Preußen gemeinsam abgetreten waren, blieb doch das Problem offen, welches ihr weiteres Schicksal sein solle. Und an ihm mußte sich der Natur der Dinge nach die Festigkeit des Buündnisses zwischen Osterreich und Preußen erproben. Schon in den letzten Zeiten des Feldzugs, wenn nicht früher, hatte nun Osterreich nur widerwillig die energischen Schritte Preußens mitgetan; die Folge war gewesen, daß Preußen die Führung des Krieges wie der diplomatischen Aktion übernommen hatte: sollte da Österreich jetzt Preußen auch den Hauptgenuß des errungenen Sieges lassen? — das war die Frage. Zunächst indes schienen sich sogar die führenden Minister der beiden Staaten in einer gemeinsamen Aktion treffen zu können. Gelegentlich einer Reise nach Schönbrunn zum Kaiser Franz Joseph, die König Wilhelm in Begleitung Bismarcks im August 1864 unternahm, kam es zu einem Vorschlage des Grafen Rechberg, dem gemeinsamen Bunde beider Mächte eine Spitze gegen Frankreich zu geben und dadurch den italienischen Besit Hflerreichs zu sichern: worauf dann etwa Schleswig⸗