Erste Stufe der kleindeutschen Lösung der Einheitsfrage. 455 stadt des geeinigten Italiens nach Florenz verlegt werden. Es war ein Vertrag, den König Victor Emanuel nur mit blutendem Herzen abschloß: hatte er doch auf Turin, seine angestammte Residenz, zugunsten einer anderen Stadt, als Rom, zu verzichten. Allein es war doch zugleich auch ein gewaltiger Fortschritt zur vollen italienischen Einheit. Ganz Italien mit Ausnahme der benachteiligten Turiner und Piemon— tesen jauchzte ihm zu: die römische Frage war einstweilen ge— löst, — und so konnte man sich von neuem ganz der venetia— nischen zuwenden. SHier aber war es keine Frage, daß der Zwiespalt zwischen Hsterreich und Preußen ausgenutzt werden mußte. Nur schwankte der piemontesische Minister La Marmora lange, ob er auf Oster— reichs Seite treten und Venetien durch Kauf erwerben solle, oder ob es besser sei, das Land im Verein mit Preußen gegen Hsterreich zu erkämpfen. Und noch im Herbst 1865 hatte er in geheimen Anerbietungen an sterreich den ersten Weg ein— geschlagen. Demgegenüber mußte es jetzt, im Februar 1866, Preußen darauf ankommen, Italien für den zweiten Weg zu gewinnen. Die Möglichkeit hierzu war trotz des mißtrauischen Charakters von La Marmora verhältnismäßig leicht gegeben. Denn immer noch folgte man in Italien der Leitung Napoleons; Napoleon aber war damals Preußen noch günstig gesinnt und forderte Italien geradezu zum Abschlusse eines Schutz- und Trutz- bündnisses mit Preußen auf. Aber auch für Italien ergab sich gerade im Februar 1866 der dringende Wunsch, ein Bündnis mit Preußen zu schließen. Am 24. Februar 1866 war Fürst Cusa von Rumänien gestürzt worden; es erschien dem italienischen Kabinett möglich, sein Land als Entschädigung für das an Italien abzutretende Venetien an Osterreich zu bringen: doch bedurfte es zu diesem Geschäfte eines starken Druckes auf Osterreich: wozu eben ein Bündnis mit Preußen qut erschien. Und so stellte sich denn am 14. März 1866 der italienische General Govone in Berlin zum Abschluß eines Bündnisses ein,